Nach Cape Town zu kommen, ist für uns mittlerweile wie nach Hause zu kommen. Den Flughafen kennen wir inzwischen fast im Schlaf. Die Wege vom Flugzeug bis zum Mietwagenschalter ebenso. Deshalb sind wir mit allen Formalitäten auch immer ratzfatz durch. Viel gibt es bei der Einreise ohnehin nicht zu erledigen.
Bestellt hatten wir den Mietwagen wie immer über den ADAC. Es sollte wie so oft ein Toyota Corolla Stufenheck werden, wir bekamen aber ein Upgrade auf einen Toyota Corolla Cross, also einen kleinen SUV. Ob der Mini-SUV tatsächlich robuster ist, als die Limousine mit der wir bisher nie Probleme hatten, werden wir im Laufe des Roadtrips feststellen. Zumindest unser Gepäck passte schon mal gut ins Heck des Wagens, was uns immer sehr wichtig ist.

Ankunft mit Hindernissen
In unserem ersten Beitrag zu dieser Jubiläums-Reise hatte ich ja gespoilert, dass diese Reise bereits bei der Ankunft etwas anders als sonst verlief und der Grund war nicht unser Fahrzeug-Upgrade. Schuld war ausgerechnet unser Lieblingsgetränk, das diesmal zumindest bei einem unserer kleinen Reisegruppe etwas anders gewirkt hat als sonst. Normal wäre gewesen, dass wir zum Abendessen (wir fliegen immer über Nacht nach Cape Town) ein Glas Wein trinken, danach einen Gin & Tonic, dann Kopfhörer auf und einen Film schauen und dann schlafen.
So war auch diesmal der Plan. Aber er scheiterte bereits daran, dass wir diesmal die Flugbegleiterin bei der Bestellung des G&T fragten, ob sie später noch mal vorbeikommen würde oder ob es der letzte Service vor der Nacht war. Prompt hatten wir jeder zwei G&T auf dem Tablett. In der Folge war nach dem Film auch nicht schlafen angesagt, sondern Party. Zumindest in unserer 2er Reihe im Heck des Fliegers. Wohl wissend, dass Alkohol in großen Höhen etwas anders wirkt als auf dem Erdboden, genossen wir auch den zweiten Gin & Tonic.

Die Nachtruhe war dann keine mehr, zumindest für einen von uns Beiden. Sicher könnt ihr euch vorstellen, wie man sich fühlt, wenn man kaum oder gar nicht geschlafen hat und dann plötzlich der Duft von aufgewärmtem Rührei mit Speck durch die Klimaanlage des Flugzeugs zieht. Richtig, es kommt einem hoch. Zumindest vom Gefühl her. Die Tüte aus der Vorderlehne wurde nicht gebraucht, war aber immer griffbereit. Insbesondere, weil direkt nach dem Frühstück in der Regel die Landung erfolgt. Normalerweise ein Spaß für uns, dieses Mal aber nicht für jeden.

Nach der Landung hatte sich der Magen erfreulicherweise etwas erholt und so kamen wir ohne Probleme durch die Ausweiskontrolle und konnten später unseren Corolla-Cross erstmal Richtung V&A Waterfront steuern um bei Mugg & Bean eine kleine Erfrischung zu tanken, bevor es dann zu unserem ersten Guesthouse ging.
Unser erstes Guesthouse
Die ersten drei Nächte, verbrachten wir im Adamsgarth Guesthouse in Hout Bay. Es befindet sich im Mount Rhodes Drive, der Straße in der auch das Dream House Guesthouse ist, in dem wir schon auf drei Reisen übernachtet hatten. Wir wollten aber auch mal von einer anderen Terrasse einen Blick auf die Bucht dieses schönen Vororts von Cape Town werfen. Und wir hatten sogar unsere Eigene. Also Terrasse. Auch hier waren der Service hervorragend, das Zimmer gemütlich und wir fühlten uns rundum wohl. Eigentlich, wenn sich da nicht bereits am ersten Abend bei einem von uns eine weitere Unpässlichkeit anbahnte.

Noch mehr Aua
Denn kaum war das Unwohlsein des Morgens unserer Ankunft verflogen, machte sich bei Gunnar etwas anderes, viel Schmerzhafteres, für das das Wort Unpässlichkeit eigentlich unpassender gar nicht sein kann, bemerkbar. Wir verbrachten den Nachmittag damit einen Arzt-Termin zu vereinbaren. Über die Website der Deutschen Botschaft versuchten wir Kontakt zu einem deutschen Arzt in Cape Town aufzunehmen und wir bekamen tatsächlich am nächsten Morgen dort sogar noch einen Termin. Pünktlich waren wir dort und mussten nicht lange warten. Die Diagnose war deutlich: In dieser Praxis konnte man uns nicht helfen, aber der Arzt nahm sich die Zeit und besorgte uns für denselben Tag einen Termin bei einem Facharzt in der nahegelegenen Klinik.
Spätestens hier musste ich wirklich sagen: Chapeau! Das wäre in Deutschland nicht so schnell gegangen, zumindest nicht bei Kassenpatienten. Da Reisende aber in der Regel Selbstzahler sind, haben sie den Status eines Privatpatienten. Möglicherweise war das der Grund, oder vielleicht ist das in Cape Town einfach so, oder der Arzt hat unsere Notlage erkannt. Wir waren ja auf Reisen und nicht mehr lange in Cape Town. Vorsichtshalber verschrieb der Arzt noch ein Medikament.
Wir waren kaum auf dem Parkplatz der Klinik angekommen, da klingelte bereits das Telefon und der Facharzt fragte, wann wir denn bei ihm sind. Kurz darauf waren wir in seiner Praxis und Gunnar wurde untersucht. Das Ergebnis war: Zähne zusammenbeißen, Schmerzmittel und durchhalten. Denn eigentlich wäre eine OP, die bessere Variante gewesen, aber auch dieser Doktor wusste natürlich, dass wir auf auf einem Roadtrip waren. Gunnar entschied sich also für die schmerzhaftere Variante ohne OP.

Drei Tage in Cape Town
Zwischen Arztterminen, Klinik und Apotheke blieb zum Glück trotzdem noch genug Zeit, einige unserer Lieblingsorte rund um Cape Town zu besuchen. Dazu zählten auch der wunderbar ruhige Ort Scarborough mit seinem endlosen Sandstrand der auch bei Surfern sehr beliebt ist. Für das leibliche Wohl können wir das Sopra mit seiner modernen italienischen Küche sehr empfehlen.

Natürlich waren wir auch im Cape Point Nature Reserve, dem Nationalpark am südlichsten Punkt der Kap Halbinsel (nicht des afrikanischen Kontinents!), in dem wir bestimmt schon viermal waren. Trotzdem zieht uns die Kombination aus der weiten Landschaft, den schroffen Felsen am Cape of Good Hope und dem meist menschenleeren Diaz Beach jedes Mal aufs Neue dorthin.
Wir machten zunächst einen Spaziergang zum Wrack der SS Thomas T. Tucker. Das amerikanische Liberty-Schiff war 1942 auf seiner Jungfernfahrt von New Orleans nach Suez unterwegs, als es bei dichtem Nebel auf die Felsen von Olifantsbos lief. Ursache war offenbar ein defekter Kompass, der das Schiff um ganze 37 Grad vom richtigen Kurs abbrachte. Von dem Wrack ist heute zwar nicht mehr allzu viel übrig, trotzdem ist dieser geschichtsträchtige Ort immer wieder einen kleinen Abstecher wert.


Anschließend fuhren wir zum Cape of Good Hope. Dort waren wir allerdings ziemlich überrascht, denn vor dem berühmten kleinen Holzschild hatte sich eine lange Schlange von Menschen gebildet, die alle das obligatorische Erinnerungsfoto machen wollten. Darauf hatten wir nun wirklich keine Lust. Also machten wir stattdessen ein Foto von der Warteschlange – irgendwie auch eine schöne Erinnerung – und fuhren weiter zum Hauptparkplatz. Von dort aus kann man zu den Leuchttürmen und hinunter zum wunderschönen Diaz Beach laufen.


Auch dieses Mal wollten wir zum Strand runtergehen. Das Wetter war gut, aber als wir auf dem Weg zu den Treppen nach unten waren zog sich der Himmel zu und es fing an zu regnen. Das störte uns erstmal nicht, und wir gingen die vielen Stufen hinunter. Bei etwa der Hälfte der Strecke war aus dem leichten Regen ein heftiger Wolkenbruch geworden und es war auch merklich kühler. Trotzdem gingen wir weiter. Unten angekommen war der Regen aber wirklich schlimm und so beschlossen wir umzudrehen. Und als wollte uns Petrus den Mittelfinger zeigen, hörte der Regen genau in dem Moment auf, als wir wieder oben ankamen. Es wurde auch wieder wärmer und als wir am Wagen ankamen, waren die Klamotten auch wieder fast trocken.

Es wurde besser
Gunnars Medikamente schlugen an. Die Schmerzen wurden langsam weniger. Die Ursache war zwar noch nicht vollständig behoben, aber wir waren auf dem richtigen Weg.
An Tag vier hieß es dann Abschied nehmen von Cape Town. Vor uns lagen Stellenbosch, die ersten Weingüter und endlich das Gefühl, dass unser eigentlicher Roadtrip jetzt so richtig beginnt. Doch das war erst der Anfang: In den nächsten Teilen nehmen wir euch mit zu den nächsten Stationen unserer Reise – durch Weinregionen, die Weiten der Karoo, wilde Landschaften und entlang der Küste bis zurück nach Cape Town.

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