Unser Reise führte uns an Tag 4 unseres Roadtrips von Kapstadt, wie schon so oft, zunächst nach Stellenbosch. Danach ging es weiter durch die Winelands über Franschhoek nach Montagu und Robertson und schließlich zu alten Bekannten nach Ladismith, mitten hinein in die kleine Karoo.
Wieder in Stellenbosch
Die Universitäts- und Weinstadt Stellenbosch, liegt nur gut 50 Km von Kapstadt entfernt, also eigentlich nur ein klassischer Zwischenstopp auf einem Roadtrip. Möchte man meinen – besonders wenn man, wie wir, schon sechsmal hier war.
Und gerade deshalb hatten wir hier einen Übernachtungsstopp eingeplant. Wir kennen sicherlich noch nicht jede Ecke, aber schon ganz schön viele. Also steuerten wir, wie immer, eine Straße am Botanischen Garten an, wo wir uns ziemlich sicher sind, einen kostenlosen Parkplatz zu bekommen.
Die Straßen mit den vielen Geschäften und Restaurants sind von dort zu Fuß nur fünf Minuten entfernt. Allerdings ist es dort ziemlich schwierig, einen Parkplatz zu ergattern – und wenn man einen findet, muss man dafür meistens bezahlen. Wir nutzen die Zeit und ein paar Rand lieber für einen Abstecher in den kleinen, aber sehr schönen Botanischen Garten der Universität. Im netten Café dort gibt es immer ein paar leckere Snacks, guten Kaffee und natürlich auch Kuchen.






Wir hatten außerdem Glück, dass gerade ein Kunsthandwerksmarkt stattfand. Und so landeten wir bei einer netten älteren Dame, die Silberschmuck herstellt, teilweise sogar aus altem Besteck. Wir wurden fündig und gönnten uns beide eine Halskette. Gunnars Kette wurde tatsächlich aus einem alten silbernen Zuckerlöffel gefertigt.
Übernachtet haben wir auf einem Weingut etwas außerhalb der Stadt. Es war okay, aber wer unsere anderen Reiseberichte aus dieser Region kennt, weiß, dass wir mit Übernachtungen auf Weingütern bisher nie so richtig Glück hatten. Wie gesagt: Es war okay, aber es erfüllte halt nicht ganz unsere Erwartungen.
Wenn wir nach einer Nacht auf einem Weingut wirklich begeistert sein wollen, müssen wir offensichtlich wesentlich tiefer in die Tasche greifen. 700 bis 800 Euro oder mehr sind selbst in Südafrika für eine besondere Unterkunft auf einem Weingut durchaus eine normale Rate. Und unsere Ansprüche sind keinesfalls überhöht.
Mo & Rose’s Nature Retreat
Am nächsten Tag ging es weiter. Zunächst ein kurzer Stopp im benachbarten Franschhoek bei einem – Achtung, Déjà-vu! – Kunsthandwerksmarkt. Auch hier gab es ein paar Mitbringsel, aber definitiv nicht die letzten auf dieser Reise.


Danach begaben wir uns nach Robertson zu Mo & Rose’s Nature Retreat, unserem nächsten Übernachtungsstopp für zwei Nächte. Wir waren diesmal tatsächlich gespannt, was uns dort erwarten würde. Auf den Bildern sah es wunderschön aus und der Preis war auch etwas höher als bei den Unterkünften, die wir sonst so buchen, aber nicht übertrieben..
Wir wurden nicht enttäuscht. Das Guesthouse war sogar wunder-wunderschön.



Die Unterkünfte waren in einem großen, sehr gepflegten Palmen- und Kakteengarten verteilt. Unser Zimmer war sehr groß, ungewöhnlich geschnitten und hatte eine kleine Terrasse. Im Garten, hintern dem Gebäude mit den Zimmern, gab es einen schönen Pool, an dem uns am Nachmittag vom Personal sogar frisch aufgeschnittene Wassermelone serviert wurde.
Da das Guesthouse etwas außerhalb von Robertson lag – was auch ganz gut ist, denn Robertson beherbergt überwiegend Weinindustrie – entschieden wir uns, im Restaurant des Guesthouses zu Abend zu essen. Eine sehr gute Entscheidung. Das Essen war perfekt, das Fleisch auf den Punkt gebraten und der Wein rundete alles wunderbar ab.
Wenn das Abendessen schon so toll war, wie würde dann wohl erst das Frühstück werden? Kann ich euch sagen: Wir haben selten so gut gefrühstückt. Und das Ganze mit Blick in den Kakteengarten. Das Foto davon soll euch jetzt einfach mal so richtig neidisch machen.


Wir waren jedenfalls ziemlich froh, dass wir zwei Nächte gebucht hatten – und reservierten das Restaurant gleich noch einmal für den nächsten Abend.
Den Vormittag und Mittag verbrachten wir in Montagu in einem Thermalbad, das von heißen Quellen gespeist wird. Hier waren wir zwar schon einmal, aber irgendwie hatten wir es schöner in Erinnerung. Naja, ist auch schon ein paar Jahre her. Wir werden ja schließlich auch älter…
Dort hielten wir uns deshalb nicht allzu lange auf, gingen noch einen Kaffee trinken und fuhren anschließend wieder zurück zu unserem Guesthouse.
Auf nach Ladismith zu alten Bekannten
2017 waren wir das erste mal bei Debi und Eugene in ihrem charmanten Koedoeskloof Guesthouse. Diesmal waren wir bereits zum dritten Mal dort – und anders als sonst sogar für zwei Nächte.
Gebucht hatten wir direkt bei den Beiden per E-Mail und nicht über Booking.com. So bleibt ein bisschen mehr bei den Gastgebern hängen.
Schon bei der Buchung wusste Debi sofort, wer wir waren, und reservierte uns auch gleich „unser“ Zimmer, in dem wir bei unseren bisherigen Aufenthalten immer geschlafen hatten.
Auch das Ankommen dort war bisher eigentlich immer gleich: früher Nachmittag, wie immer heiß und trocken und das Tor des kleinen Guesthouses geschlossen. Es schien, als sei niemand da.
Wir klingelten. Nichts passierte. Noch mal. Es passierte immer noch nichts. Da wir aber ihren Bulli in der Einfahrt sahen, öffneten wir kurzerhand das Tor und fuhren auf den ansonsten leeren Parkplatz.

Kurz darauf erschien Eugene wie aus dem Nichts und begrüßte uns auf seine unnachahmlich ruhige Art. Gunnar meint zu mir ja immer, dass ich ein ruhiger Mensch bin – (er beschreibt das etwas anders 😉 ) aber Eugene kann diese Ruhe auf jeden Fall noch toppen.
Er begrüßte uns wie alte Freunde und so, als hätten wir uns erst vor ein paar Wochen zum letzten Mal gesehen. Tatsächlich waren es aber schon drei Jahre.
Wir tauschten uns kurz darüber aus, wie es uns auf unserem Roadtrip bisher ergangen war, und erfuhren, dass Debi gerade noch in der Stadt war, um ein paar Besorgungen für das Dinner zu machen.
Essen, lecker, Burger
Das Koedoeskloof Guesthouse hat auch ein kleines Restaurant namens „DwarsBar“, in dem es hervorragende Burger gibt. Auf die hatten wir uns schon bei der Anreise gefreut.

Man kann das Restaurant übrigens auch als Nicht-Gast besuchen. Allerdings muss man sich vorher anmelden, denn hier wird immer frisch gekocht und auch nur nach Bedarf eingekauft. Nachhaltiger geht’s eigentlich nicht.
Wir gingen erst einmal in „unser“ Zimmer, um uns frisch zu machen, während Eugene wieder im Haus verschwand. Den Nachmittag verbrachten wir mit einem kurzen Nickerchen und auf der Veranda vor unserem Zimmer. Sobald man hier ankommt, entschleunigt man augenblicklich. Da kann man gar nichts gegen machen.

Während wir dort saßen, kamen weitere Gäste an und auch Debi war inzwischen zurück. Sie war allerdings bereits im Restaurant beschäftigt. Wir wollten sie nicht stören und beschlossen, sie später zu begrüßen.
Wir hatten bei der Buchung bereits mitgeteilt, was wir an diesem Abend essen wollten, und so war unser Gang ins Restaurant ziemlich informell. Eher so, als würde man bei Freunden zu Besuch sein und sich einfach ins Esszimmer setzen.
Als Debi uns sah, merkte man sofort, dass sie sich freute uns wiederzusehen. Wir begrüßten uns und kamen sofort ins Reden.
Wir hatten den beiden eine Kleinigkeit aus Hamburg mitgebracht, einen Gin aus Hamburg, den man, zumindest unseren Recherchen nach noch nicht in Südafrika kaufen kann und einen Kalender. Wie schon bei unseren ersten Besuchen nahmen wir auf der Terrasse Platz und die beiden gesellten sich direkt dazu.
Schnell war eine Flasche Wein geordert – denn wir mussten ja nicht mehr fahren. Wir sprachen über alles Mögliche. Da die beiden ebenfalls Benzin im Blut haben, ging es früher oder später natürlich auch um Autos. Nicht um unsere Elektrofahrzeuge, sondern um Gunnars Giulia.
Gunnar bekam sofort leuchtende Augen, als wir erfuhren, dass Debis bester Freund, der in der Nähe von Cape Town wohnt, ein Autosammler ist und auch ein paar alte Alfa Romeos besitzt.
Während Eugene unsere dampfenden Burger servierte, machte Debi kurzerhand eine Verabredung zwischen ihrem Buddy, uns und seiner Alfa-Sammlung klar. Schließlich würden wir in ein paar Tagen wieder in Cape Town sein.
Als der Abend sich langsam dem Ende zuneigte, wurden wir noch gefragt, ob wir am nächsten Abend vielleicht etwas anderes als Burger essen wollten. Eugene könnte uns eine tolle Lasagne zaubern.
Das war ganz nach unserem Geschmack. Wir sagten zu.
Am nächsten Morgen gab es zunächst ein leckeres Frühstück und danach machten wir uns auf den Weg nach Ladismith. In der Nähe soll man eine kleine Wanderung auf einen Berg machen können, von dem man einen tollen Blick auf die Region hat.
Debi und Eugene waren erst wenige Wochen zuvor dort gewesen und hatten die grüne Landschaft und den schönen Ausblick genossen. Als wir dort ankamen, war allerdings kein Grün mehr zu sehen. Vor kurzem hatte hier offenbar ein Feuer gewütet, das den Berg und die Landschaft drumherum in eine traurige Einöde verwandelt hatte.


Wir gingen trotzdem ein Stück den Berg hinauf, allerdings nicht bis zum eigentlichen Aussichtspunkt. Da hier alles verbrannt war, gab es auch keine Schattenspender mehr und gegen Mittag brannte die Sonne unerträglich vom Himmel. Also entschieden wir uns, wieder nach Ladismith in die Stadt zu fahren und dort etwas Erfrischendes zu trinken.
Wieder im Guesthouse angekommen, erzählten wir Eugene von unserem Tag. Er entschuldigte sich tatsächlich dafür, dass wir nicht das erwartete Erlebnis hatten. Aber dafür konnte er ja nun wirklich nichts. Trotzdem brauchte es ein wenig Überzeugungsarbeit, bis wir ihn davon abbringen konnten, dass es seine Schuld sei. Es ist einfach schön, so emphatische Gastgeber zu haben, die sich derart um ihre Gäste sorgen.
Umsorgt wurden wir dann auch beim Abendessen. Eugene zauberte eine superleckere Lasagne und auch dieser Abend war nach dem Essen noch lange nicht zu Ende.
Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen von den beiden. Wir hoffen sehr, dass wir Debi und Eugene irgendwann wiedersehen werden.
Nun geht unser Roadtrip weiter: zunächst nach Prince Albert und anschließend für drei Tage in den Addo Elephant Park.
Was uns dort erwartet und warum dieser Abschnitt unserer Reise zu einem ziemlich verrückten Erlebnis wurde, erfahrt ihr im nächsten Teil.

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