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Addo Elephant National Park – von Dickhäutern und Fledermäusen

Der Kleine ist auch schon ein echter Poser.
Lesezeit: ca. 12 Minuten

Nachdem wir uns von Debi und Eugene verabschiedet hatten, war unser erster Stopp Oudtshoorn. Dort ging es zunächst in unser Lieblingscafé mit eigener Kaffeerösterei: Beans about Coffee. Denn heute sollte es noch nicht in den Addo Elephant National Park gehen, sondern erst einmal Richtung Prince Albert.

Wir waren bisher dreimal in Oudtshoorn – einem Ort, der vor allem durch seine Straußenzucht geprägt ist – und dreimal in diesem schönen Café, das genau nach unserem Geschmack ist. Wer jetzt meint, wir seien Gewohnheitstiere, der hat ja sowas von recht. Da es erst Mittag war, als wir im Café ankamen, gab es zum Kaffee etwas Herzhaftes statt Kuchen. Auch sehr lecker und jetzt genau das Richtige.

In jeder Hinsicht ein Café nach unserem Geschmack.
In jeder Hinsicht ein Café nach unserem Geschmack.

Wenn du dich also mal nach Oudtshoorn verirrst, solltest du unbedingt Beans about Coffee in der High Str. 136 (Hoogstraat 136) ansteuern und einfach nur entspannen. Wenn du magst, grüß doch gern von den zwei Typen, die schon dreimal dort waren. 🙂

Ab in die Große Karoo

Wenn du von der Kleinen in die Große Karoo fährst, solltest du – vorausgesetzt, du bist schwindelfrei und nicht mit einem Wohnmobil oder Lkw unterwegs – unbedingt den Swartberg Pass nehmen. Dieser bringt dich von Oudtshoorn über die Swartberge direkt in das kleine Örtchen Prince Albert. Rate gern mal, wie oft wir hier schon waren? Richtig!

Das Highlight ist aber der Swartberg Pass (R328), für den du dir unbedingt ein wenig Zeit nehmen solltest. Zum einen, weil du auf der Gravel Road, die dich teilweise in Serpentinen über die Swartberge führt, nicht schnell fahren solltest. Zum anderen gibt es dort viele atemberaubende Aussichtspunkte, an denen sich ein Stopp lohnt.

Wenn du kein gutes Gefühl dabei hast, eine unbefestigte Serpentinenstraße zu fahren, gibt es eine Alternative: Du kannst etwas weiter östlich den wunderschönen Meiringspoort Pass (N12) nehmen. Über diesen haben wir bereits 2017 berichtet.

Kleine Karoo oder große Karoo? Die Unterschiede.

Wer durch die Karoo reist, stößt schnell auf zwei Begriffe: Kleine Karoo und Große Karoo. Obwohl beide zur gleichen faszinierenden Halbwüstenlandschaft gehören, sind sie geografisch und landschaftlich durchaus unterschiedlich.

Die Kleine Karoo (Klein Karoo) liegt südlich der mächtigen Swartberg- und Outeniqua-Berge und zieht sich als langgestrecktes Tal von etwa Barrydale im Westen bis Uniondale im Osten. Orte wie Montagu, Ladismith und Oudtshoorn liegen in dieser Region. Durch ihre geschützte Lage ist das Klima vergleichsweise mild, und neben der kargen Landschaft findet man hier auch Weinberge, Obstplantagen und die typische Karoo-Vegetation.

Nördlich der Swartberge beginnt die Große Karoo (Groot Karoo). Sie ist deutlich weitläufiger und erstreckt sich über große Teile des zentralen Südafrikas bis in Richtung des Eastern Cape. Die Landschaft wirkt noch ursprünglicher und endloser: weite Ebenen, trockene Flussläufe, vereinzelte Berge und eine Vegetation, die sich perfekt an die Trockenheit angepasst hat. Prince Albert liegt beispielsweise am südlichen Rand der Großen Karoo.

Die beiden Regionen trennt also vor allem die Gebirgskette der Swartberge. Während die Kleine Karoo eher wie ein von Bergen eingerahmtes Tal wirkt, vermittelt die Große Karoo das typische Gefühl unendlicher Weite.

Prince Albert

Nach einer staubigen, aber wie immer spannenden Fahrt über den Pass erreichten wir Prince Albert. Wie schon in Ladismith war es auch hier brütend heiß. Da kam die kleine Erfrischung in Form einer selbst gemachten Limonade, die wir nach dem Einchecken in unserem Guesthouse bekamen, gerade recht. Wir hatten uns diesmal, wie bereits 2017, wieder für das Prince Albert Country Stay entschieden. Es waren noch dieselben netten Besitzer wie vor acht Jahren, und wir hatten sogar das Zimmer gebucht, in dem wir damals übernachtet hatten.

Natürlich stöberten wir auch dieses Mal wieder in dem kleinen Antiquitätenladen im Erdgeschoss des Guesthouses herum. Gunnar verliebte sich sofort in drei historische Tonflaschen, in denen das bereits damals beliebte Ginger Beer abgefüllt wurde. Zwei der Flaschen stammen aus Südafrika und die dritte aus Großbritannien. Da sie perfekt zusammenpassten, mussten alle drei mit, auch wenn sie nicht gerade günstig waren. Aber schließlich sind sie auch über hundert Jahre alt und komplett unbeschädigt. Echt kurios!

Kurios war auch das Bezahlen. Da das Guesthouse und der Antiquitätenladen unterschiedliche Besitzerinnen hatten und die des Antiquitätenladens die Tonflaschen gern bar bezahlt haben wollte, mussten wir schnell noch zum Geldautomaten. Denn wir sind in Südafrika schon seit einigen Jahren nahezu bargeldlos unterwegs – was auch für viele andere Reisende und Einheimische gilt.

Als wir am Automaten Geld abhoben, bekamen wir statt großer Scheine eine ganze Menge kleiner Banknoten. So wurden uns für den Kauf der Flaschen tatsächlich siebzig 20-Rand-Scheine ausgegeben. Da hatten wir erst einmal ordentlich was zu zählen!

Am Abend machten wir nach dem Essen noch einen Stopp in der Gin Bar des Swartberg Hotels. Hier kann man sich für vergleichsweise wenig Geld – zumindest im Verhältnis zu Europa – durch die große Gin-Karte probieren. Taten wir aber nicht, denn am nächsten Tag hatten wir ja noch eine lange Autofahrt vor uns.

Auf zum Addo Elephant Park

Bis zum Addo Elephant National Park, wie er mit vollem Namen heißt, lagen nun rund 400 Kilometer Straße vor uns. Nicht viel Spannendes, deshalb hieß es heute: Strecke machen!

Wir hatten im Park zwei Übernachtungen geplant. Die erste sollte heute im Addo Rest Camp stattfinden, dem Hauptcamp im nördlichen Teil des Parks. Die zweite war im Matyholweni Rest Camp im Süden geplant, von wo aus wir den Park an Tag drei wieder verlassen wollten.

Wichtiger Hinweis für deine Park An- und Abfahrt!
In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Berichte über Überfälle auf Reisende, insbesondere auf der R335 zwischen Gqeberha (dem früheren Port Elizabeth) und dem Addo Elephant National Park, die durch das Township Motherwell führt.

Diese Warnungen solltest du unbedingt ernst nehmen. Wir haben den Park nach unseren Übernachtungen im Main Camp und später im Matyholweni Rest Camp im Süden über das Matyholweni Gate verlassen und sind über Colchester weiter Richtung Gqeberha gefahren. So konnten wir die problematische Strecke über Motherwell umgehen.

Bedenke bitte, dass dies eine Momentaufnahme aus dem Jahr 2026 ist. Die Sicherheitslage und die Zufahrtsempfehlungen können sich jederzeit ändern. Informiere dich deshalb vor deiner Reise noch einmal über die aktuelle Situation, beispielsweise bei SANParks oder beim Auswärtigen Amt.

Wir kamen unerwartet früh am Nachmittag im Main Camp an und fuhren zunächst zur Rezeption. Wir hatten unsere beiden Übernachtungen bereits vorgebucht, was du auf jeden Fall ebenfalls tun solltest, egal, ob du in privaten Unterkünften außerhalb des Parks oder wie wir direkt im Nationalpark übernachten möchtest.

Nach der Registrierung bekamen wir die Schlüssel für unsere erste Unterkunft. Die staatlichen Parkunterkünfte sind häufig kleine Häuser oder Chalets, teilweise mit Reetdächern, in denen zwei bis vier Personen Platz finden. Wie in einem Ferienhaus ist hier alles für die Selbstverpflegung vorhanden, und natürlich gibt es ein eigenes Bad. Trotzdem sind die Unterkünfte eher einfach und praktisch eingerichtet.

Da wir aber hier waren, um Tiere zu sehen, machten wir uns auch gleich auf den Weg, um mit dem Wagen die Gegend rund um das Camp abzusuchen. Viel Zeit hatten wir dafür allerdings nicht, denn für 17:30 Uhr hatten wir eine Sundowner-Tour gebucht – und das auch schon von zu Hause aus, denn die Plätze sind begrenzt. Immerhin sahen wir auf dem kurzen Abstecher ein paar kleine Antilopen.

Auf der gebuchten Tour sahen wir auch nicht viel mehr. Immerhin bekamen wir aber schon die Tiere zu Gesicht, von denen der Park seinen Namen hat: Elefanten!

Hier wurden wir sogar Zeugen einer Rettungsaktion. Eine Elefantenkuh führte ihr neugeborenes Kalb mit viel Geduld aus einem offenbar zu tiefen Wasserbereich wieder ans Ufer. Das war schon ein besonderer Moment!

Im Anschluss gab es zum Sonnenuntergang einen Stopp auf einer kleinen Anhöhe, wo wir unseren Drink genießen konnten.

Zurück im Main Camp hatten wir gerade noch Zeit, beim Cattle Baron einen Burger zu essen. Cattle Baron ist eine Grill- und Bistrokette, die man auch in anderen südafrikanischen Nationalparks findet. Da wir von dem Tag durchaus müde waren, ging es danach relativ schnell ins Bett.

Tag 2 im Addo: Parkerkundung und komische Geräusche

Am zweiten Tag im Park hieß es früh aufstehen, denn wir wollten möglichst viele Tiere sehen. Nach einem Frühstück, ebenfalls im Cattle Baron, checkten wir aus unserer Unterkunft aus und machten uns auf den Weg.

Den gesamten, rund 1.640 km² großen Nationalpark würden wir natürlich nicht erkunden können, denn wir mussten bis 19:00 Uhr unser zweites Camp erreichen. Ein paar Stopps und Abstecher waren aber selbstverständlich drin.

Der Addo Elephant National Park hat seinen Namen nicht zu Unrecht, denn Elefanten sind hier besonders zahlreich vertreten. Im Park leben derzeit etwa 800 von ihnen; die genaue Zahl schwankt im Laufe der Zeit. Der Park beherbergt aber nicht nur die Big 5 – Elefant, Büffel, Löwe, Nashorn und Leopard –, sondern sogar die Big 7. Denn zum Nationalpark gehört auch ein Meeresschutzgebiet in der Algoa Bay im Indischen Ozean. Dort ergänzen der Südliche Glattwal und der Weiße Hai die Big 5 zu den Big 7.

Die beiden Meerestiere bekamen wir allerdings nicht zu Gesicht. Aber auch die Big 5 innerhalb von zwei Tagen zu finden, ist gar nicht so einfach. Elefanten und Büffel bekommt man vergleichsweise häufig zu sehen, während die Bestände der anderen drei Arten deutlich kleiner sind. Löwen sind zwar im Park vertreten, doch ihre Zahl ist überschaubar, und Leoparden sind generell schwer zu entdecken. Um es kurz zu machen, wir sahen die Big 2, Elefant und Büffel.

Dafür haben wir aber auch viele verschiedene Huftiere – darunter Antilopen und Zebras – sowie Warzenschweine gesehen. Und dann war da noch eine andere Spezies, aber dazu später mehr.

Was klappert denn da?

Einige Straßen im Park sind asphaltiert, die meisten aber unbefestigt. Das ist für uns nichts Neues. Neu war an diesem Tag allerdings ein merkwürdiges Geräusch am Vorderwagen unseres Mini-SUV.

Nachdem wir lokalisiert hatten, dass es von vorne kam und irgendetwas mit der Aufhängung zu tun haben musste, wollten wir natürlich genauer nachsehen. Allerdings befanden wir uns mitten im offenen Gelände des Nationalparks. Aussteigen ist dort strengstens verboten, außer an ausdrücklich dafür vorgesehenen Stellen. Also mussten wir zunächst einen geeigneten Platz finden, an dem wir unser Auto untersuchen konnten, ohne uns unnötig in Gefahr zu bringen.

Irgendwas macht da komische Geräusche
Irgendwas macht da komische Geräusche
So hörte sich das beunruhigende Geräusch an.

Nach ein paar Kilometern gab es dann tatsächlich einen Aussichtspunkt, an dem das Aussteigen auf eigene Gefahr erlaubt war. Wir untersuchten unseren Toyota, konnten aber zunächst keinen konkreten Schaden feststellen.

Wir entschieden uns, unsere Autovermietung anzurufen, hatten im Park aber leider kein Netz. Da unsere zweite Übernachtungsunterkunft dicht am Parkausgang lag und wir schon in der Nähe waren, es für den Check-in aber noch zu früh war, fuhren wir erst einmal aus dem Addo hinaus in den nahe gelegenen Ort Colchester. Dort sollte es Empfang geben. Oder vielleicht auch eine Werkstatt.

Wir fuhren zunächst in ein Restaurant, um eine Kleinigkeit zu essen und den Vermieter anzurufen. Dieser war gar nicht so einfach zu erreichen, und als Gunnar ihn endlich an der Strippe hatte, war die Kommunikation auch nicht besser. Im Ergebnis sollten wir erst einmal warten, bis er sich bei der Zentrale erkundigt hatte, ob wir einen Ersatzwagen bekommen oder das Auto irgendwo reparieren lassen könnten.

Man kann sich vorstellen, dass wir etwas genervt waren. Also taten wir erst einmal das, was wir in solchen Situationen meistens machen: Wir versuchten, uns selbst zu helfen.

Also noch einmal zum Auto und nachgeschaut, ob wir den Verursacher des Geräuschs lokalisieren konnten. Und tatsächlich: Vorne links hatte sich die Mutter am Querlenker gelockert. Daher kamen die lauten Geräusche bei jedem Schlagloch.

Okay, easy, dachten wir uns. Da hinten ist eine Tankstelle, die werden doch Werkzeug haben – dachten wir zumindest. Hatten sie natürlich nicht. Immerhin meinte der Tankstellenmitarbeiter, dass es sich um eine 17er- oder 19er-Mutter handeln dürfte, die sich da gelockert hatte.

Um diese Erkenntnis reicher, entschieden wir uns, das Problem am nächsten Morgen zu lösen. Denn an diesem Sonntag würden wir wohl kaum noch eine offene Werkstatt finden, die uns mit dem passenden Maulschlüssel weiterhelfen könnte. Auch der kleine Supermarkt, in dem wir unser Frühstück für den nächsten Morgen kauften, hatte leider kein Werkzeug im Angebot.

Hilfe durch den Park Ranger

Zurück im Park hatte Gunnar beim Check-in die gute Idee, an der Rezeption nach dem passenden Werkzeug zu fragen. Die Damen dort hatten zwar selbst keines, informierten aber einen Ranger, der später an einem der Häuser im Camp noch etwas reparieren musste. Er sollte anschließend bei uns vorbeischauen und versuchen, uns zu helfen.

Das klang doch schon mal positiv. Wir hatten für den restlichen Tag ohnehin nichts Großes mehr vor.

Einigermaßen beruhigt, dass sich unser Problem vielleicht bald lösen könnte, machten wir dann den Check-in. Das Matyholweni Rest Camp ist ein kleines Selbstversorgercamp mit Hütten in einem bewaldeten Gebiet.

Unsere Doppelhaushälfte im Matyholweni Rest Camp
Unsere Doppelhaushälfte im Matyholweni Rest Camp
...und Innen auch ganz gemütlich, wenn da nicht noch Jemand wäre...
…und Innen auch ganz gemütlich, wenn da nicht noch Jemand wäre…

Die freundliche Dame an der Rezeption nahm unsere Daten auf und meinte beiläufig:

„You’ll be sharing your accommodation with a bat, but don’t worry – it’s not dangerous for you.“

Ich nahm diese Information genauso beiläufig auf, ohne genau zu wissen, was die Dame mit „teilen“ eigentlich meinte.

Ob der Park Ranger uns wirklich helfen konnte und wie unsere Nacht mit dem unfreiwilligen Mitbewohner wurde, erfährst du im nächsten Teil …

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