Nordkap-Roadtrip Tag 12.
Von den Lofoten nach Tromsø.
Heute hieß es Abschied nehmen. Nach intensiven Tagen auf den Lofoten, voller Licht, Farben und Postkartenmomente, stand nun ein klassischer Reisetag an: von den Lofoten nach Tromsø. Rund acht Stunden Fahrt lagen vor uns – inklusive eines Lade-Stopps – und wir wussten schon beim Frühstück: Das wird kein Tag für große Umwege und ausgedehnte Fotosessions.
Unterwegs sein statt stehen bleiben
Wir starteten relativ entspannt in den Tag, aber mit dem klaren Ziel, gut durchzukommen. Die Strecke ist lang, führt aber durch wunderschöne Landschaften: Fjorde, Brücken, Berge und immer wieder dieser Blick auf das Meer, der einen auch nach Tagen noch nicht kalt lässt.
Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, heute einfach nur zu fahren. Keine großen Stopps, kein „nur mal eben anhalten“. Natürlich blieb das ein frommer Wunsch. Denn irgendwo zwischen Lofoten und Festland tauchte plötzlich ein Wasserfall auf, der so fotogen war, dass wir einfach anhalten mussten. Kurz raus, Kamera gezückt, staunen – und weiter. Genau diese kleinen Momente sind es, die einen Roadtrip ausmachen, selbst an Fahrtagen.

Gefangen im Supermarkt
Eines der unerwartetsten Erlebnisse des Tages hatte allerdings nichts mit Natur zu tun, sondern mit einem 24-Stunden-Supermarkt ohne Personal. In Norwegen mittlerweile gar nicht so ungewöhnlich: Man kommt per App oder Karte rein, kauft ein und geht wieder.
Wir wollten eigentlich nur kurz rein, um uns einen heißen Kaffee zu holen. Drinnen stellte sich heraus: Kaffee gibt es nur aus einem Automaten. Nicht so unser Ding. Also wollten wir den kleinen Markt wieder verlassen – doch die Tür blieb zu.
Eine Lösung musste her, aber ohne Barcode auf einem Kassenbon öffnet sich die Tür nicht. Wir waren also offiziell in einem Supermarkt gefangen. Ein Moment zwischen Lachen und leichter Verwirrung. Nach kurzem Überlegen kauften wir dann doch noch eine Kleinigkeit, bekamen unseren Bon – Befreiung!
Kilometer machen Richtung Norden
Danach ging es zügig weiter. Die Straßen wurden leerer, die Landschaft weiter. Je näher wir Tromsø kamen, desto deutlicher wurde auch: Wir sind jetzt wirklich im hohen Norden angekommen.
Tromsø liegt 344 Kilometer Luftlinie nördlich des Polarkreises und gilt als das „Tor zur Arktis“. Mit rund 79.500 Einwohnern (Stand 01.2025) in der gesamten Kommune gilt Tromsø als die größte Stadt Nordnorwegens. Sie ist geprägt von der Universität, Forschung, Kultur und jede Menge internationalem Publikum.
Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt ist die Eismeerkathedrale (Ishavskatedralen). Ihr markantes, dreieckiges Design erinnert an Eisschollen oder arktische Bergformationen und ist eines der architektonischen Wahrzeichen Norwegens. Besonders beeindruckend ist das große Glasmosaik im Inneren.


Tromsø ist außerdem weltberühmt als einer der besten Orte, um Nordlichter (Aurora Borealis) zu sehen. Von September bis März tanzen sie hier bei klaren Nächten oft spektakulär über den Himmel. Im Sommer hingegen herrscht die Mitternachtssonne – so wie bei unserem Besuch – und die Sonne geht wochenlang nicht unter. Nordlichter gibt es dann zwar keine, dafür dieses besondere, fast unwirkliche Licht rund um die Uhr.
Historisch spielte Tromsø eine wichtige Rolle als Ausgangspunkt für Polarexpeditionen. Große Entdecker wie Roald Amundsen starteten von hier aus Richtung Arktis. Heute verbindet die Stadt ihre Geschichte mit modernem Leben – und genau dieser Mix macht ihren besonderen Reiz aus.
Ankunft in Tromsø
Gegen 17:30 Uhr rollten wir endlich in Tromsø ein. Unser Zuhause für die Nacht: ein Moxy Hotel, unser erstes auf dieser Reise. Der Bau ist ein großer, grauer Klotz direkt am Flughafen – optisch kein Highlight, aber modern, funktional und perfekt für einen Zwischenstopp. Die Innenstadt ist etwa zehn Autominuten entfernt, also gut machbar.
Nach dem Einchecken fuhren wir nochmal los und schlenderten zumindest ein wenig durch die Stadt. Tromsø wirkte lebendig, aber nicht hektisch. Trotz Sommer war es ziemlich frisch. Die meisten Läden hatten schon zu, also überlegten wir nicht lange und sagten: „Lass uns was essen gehen“. Vorher kamen wir dann aber trotzdem noch an einem Klamottenladen vorbei, der noch geöffnet hatte und in dem Gunnar noch ein Poloshirt für sich fand.
Lecker indisch Essen im hohen Norden
Zum Abendessen suchte Gunnar uns kurzerhand das Restaurant Indie raus, einem stylischen indischen Restaurant, das uns sofort überzeugte. Modernes Interior, aber sehr gemütlich, entspannte Atmosphäre und vor allem: richtig gutes Essen. Gewürze, Aromen, Schärfe – genau das Richtige nach einem langen Fahrtag.
Dass man in Tromsø ausgezeichnetes indisches Essen genießen kann, ist dabei eigentlich ganz selbstverständlich. Die Stadt ist offen, international geprägt und zieht Menschen aus vielen Ländern an – und genau diese Vielfalt zeigt sich auch kulinarisch.
Blick über die Stadt
Zum Abschluss des Tages fuhren wir noch zu einem Aussichtspunkt oberhalb der Stadt. Tromsø lag unter uns, eingebettet zwischen Meer, Inseln und noch schneebedeckten Bergen. Die Sonne stand tief, das Licht war weich, fast golden – und natürlich ging sie auch heute nicht unter.
Wir machten ein paar Fotos, standen eine kurze Weile einfach nur da (hier oben war es auch kalt) und ließen den Tag sacken. Morgen wartet wieder eine lange Etappe auf uns, denn es geht weiter nach Alta – und übermorgen sind wir dann tatsächlich am Nordkap. Ein Gedanke, der sich noch ein bisschen unwirklich anfühlt.

Etappe 12 war kein klassischer Sightseeing-Tag, sondern ein Unterwegs-Tag. Viel Straße, wenig Programm – aber trotzdem voller kleiner Erlebnisse, die hängen bleiben: ein wunderschöner Wasserfall, wir, eingeschlossen in einem Supermarkt, gutes Essen und dieser Moment, in dem man merkt, wie nah das große Ziel plötzlich ist.
Fahrstrecke Tag 12:
438 km | ca. 6–7 Std.
Ladepause:
Supercharger Setermoen (NOR) – 42,21 KW
Hotel:
Moxy Tromsø
Huldervegen 2, 9016 Tromsø, Norwegen
Und jetzt bist du dran:
Wie gehst du auf langen Roadtrip-Tagen mit vielen Kilometern um? Fährst du stur durch oder lässt du dich – so wie wir – doch immer wieder zu spontanen Stopps verleiten? Warst du auch schon mal in einem Supermarkt eingesperrt? Schreib es uns gerne in die Kommentare!
Im nächsten Beitrag: Ein unerwartetes Erlebnis am frühen Morgen und unsere Fahrt weiter gen Norden bis nach Alta.

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