Blog Unterwegs

Zwei Tage Finnland zwischen Wald, Weite und Weihnachtsmann

Unendliche Weiten... die Finnischen Wälder.
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Nordkap-Roadtrip Tag 15 und 16.

Tag 15 – Abschied vom Nordkap

Nach unserem sehr schönem Nordkap-Moment hieß es am nächsten Morgen: Sachen packen, Blick noch einmal über den Hafen von Honningsvåg schweifen lassen – und dann langsam Abschied nehmen von Norwegen. Ganz ohne Souvenir ging das natürlich nicht. Ich hatte den Hoodie schon am Vortag entdeckt und wusste: Der fährt mit nach Hause. Gunnar war ebenfalls nicht ganz immun gegen nordkaptypische Kaufimpulse und ergänzte seine Garderobe um Handschuhe und Mütze. Man weiß ja nie, wann man sie braucht. Oder wann man einfach sagen möchte: „Die kommen vom Nordkap.“

Mit leicht schwerem Herzen, starteten wir die Rückreise in Richtung Finnland. Der landschaftlich spektakuläre Teil lag hinter uns – jetzt wurde es funktional. Direkter. Effizienter. Und deutlich grüner.

Von Honningsvåg nach Nellim: Willkommen im Wald

Die Ausreise aus Norwegen verlief unspektakulär. Eine Brücke, ein paar Schilder – und zack, waren wir in Finnland. Allerdings nicht ohne kleinen Zeitschock: eine Stunde später, einfach so. Finnland tickt eben anders. Zumindest zeitlich.

Was sofort auffiel: Bäume. Viele Bäume. Sehr viele Bäume. Wo Norwegen mit Fjorden, Felsen und Dramatik punktet, setzt Finnland auf Wald in Endlosschleife. Parallel dazu sank auch die Dichte an E-Autos und Ladesäulen spürbar. Die Strecke von knapp 440 Kilometern zog sich, nicht weil sie schwierig war, sondern weil sie schlicht wenig Abwechslung bot. Viel Straße, wenig Fotomotive, kaum Orte, die nach einem spontanen Stopp schrien.

Unser Ziel für diesen Tag lag dafür umso spektakulärer – zumindest auf der Karte.

Übernachten in der finnischen Wildnis

Unsere Unterkunft lag etwa 40 Kilometer von der nächsten Ortschaft Inari entfernt, mitten im Wald, rund 7 Kilometer Luftlinie von der russischen Grenze.

Das Resort ist eigentlich auf Wintergäste spezialisiert: Schneemobile, Nordlichter, Skibobs. Trotzdem hatte es geöffnet – und das zu unserer großen Freude. Wir wurden herzlich empfangen, bestens versorgt und konnten direkt vor Ort zu Abend essen. Auf dem Teller landete unser erster Rentier-Burger. Fazit: überraschend lecker, ein bisschen wild, sehr passend zur Umgebung.

Während wir gemütlich im Restaurant saßen, zog draußen ein kurzes, aber kräftiges Gewitter auf – inklusive eines kleinen Stromausfalls. Romantik auf finnisch. Kerzen an, kurz abwarten, weitermachen. So muss das.

Fahrstrecke Tag 15:
436 km | ca. 6,5 Std.

Ladepausen: 
Supercharger Honningsvåg (NOR) – 38,10 KW
Supercharger Karasjok (NOR) – 45,69 KW
Typ-2-Lader am Hotel in Nellim (FIN) – 38,21 KW

Hotel:
Wilderness Hotel Nellim & Iglos
Nellimintie 4230, 99860 Inari, Finnland


Tag 16 – Von Nellim nach Rovaniemi: Wald, Wald und… Weihnachten

Der nächste Morgen begann entspannt. Frühstück erst ab 9 Uhr – wir nahmen die Einladung zum Ausschlafen dankend an. Shadow hatten wir am Vorabend an einem 16-kW-Lader des Resorts auf 100 % geladen. Das sollte locker bis zum nächsten Supercharger reichen. Theoretisch gibt es die hier zwar in fast jedem Dorf – praktisch gibt es halt nicht viele Dörfer.

Die Fahrt nach Rovaniemi bestätigte den Eindruck vom Vortag: Finnland ist ruhig. Weit. Grün. Sehr grün. Wer Wälder liebt, wird hier glücklich. Wer auf kurvige Straßen und dramatischen Landschaften steht, eher nicht.

Einmal Polarkreis – Weihnachtsmann inklusive

Kurz vor Rovaniemi stand dann doch noch ein touristischer Pflichttermin auf dem Programm: das ganzjährig geöffnete Weihnachtsmanndorf am Polarkreis. Ja, es ist genau so, wie man es sich vorstellt – Disneyland in rot/weiß mit Lametta – nur bei über 30 Grad einfach schwer ernst zu nehmen. Weihnachtslieder, Lichterketten und Rentiermotive funktionieren besser mit Schnee als mit Sommerhitze.

Unser Fazit:
– Mit Kindern im Winter sicher magisch.
– Ohne Kinder, im Hochsommer: nett gemeint, aber verzichtbar.

Warum wohnt der Weihnachtsmann in Rovaniemi?

Rovaniemi gilt „offiziell“ als Wohnort des Weihnachtsmanns, weil hier 1950 Eleanor Roosevelt – die Frau des damaligen US-Präsidenten – während eines Finnlandbesuchs ein „Arctic Circle Cabin“ besuchte. Daraus entwickelte sich über Jahrzehnte eine clevere touristische Geschichte, die Finnland weltweit bekannt gemacht hat. Marketing können sie gut.

Ankommen im Arctic Light Hotel – Schon ein bisschen Porno

Unser Hotel in Rovaniemi war dagegen ein echtes Highlight. Von außen eher unscheinbar, innen jedoch ein stimmiges Gesamtkunstwerk: dunkle Farben, viel Glitzer, ungewöhnliche Deko – genau richtig, um dem Namen Arctic Light Hotel gerecht zu werden. Mal was anderes, mal was Mutiges, und definitiv in einen Besuch wert.

Die Stadt selbst überraschte uns weniger. Ein kurzer Bummel, ein gutes Mex-Tex-Abendessen im Amarillo, danach ein Spaziergang am Fluss Kemijoki – ruhig, entspannt, nordisch. Kein großes Spektakel, aber ein schöner Abschluss unserer Finnland-Etappe.

Finnland in zwei Tagen – leise, weit und sehr entschleunigend

Finnland hat uns nicht überwältigt wie Norwegen, aber genau das war auch sein Reiz. Weniger Wow, mehr Ruhe. Weniger Drama, mehr Weite. Perfekt für die Rückreise, um Erlebtes sacken zu lassen und langsam wieder in den „Normalmodus“ zu kommen.

Im nächsten Teil geht es weiter durch Schweden – bevor wir uns über Dänemark endgültig auf den Heimweg machen.

Fahrstrecke Tag 16:
334 km | ca. 4,5 Std.

Ladepausen: 
Supercharger Rovaniemi (FIN) – 45,72 KW

Hotel:
Arctic Light Hotel
Valtakatu 18, Rovaniemi, 96200


Jetzt mal ehrlich, Leute …

An dieser Stelle würden wir normalerweise schreiben: „Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!“
Problem dabei: Es schreibt niemand. Funkstille. Absolute Stille. Skandinavische Winterstille.

Was ist da los?
Seid ihr schreibfaul? Zu viel zum Lesen? Zu kleine Schrift? Oder denkt ihr, wir beißen oder geben böse Antworten zurück? (Tun wir nicht. Versprochen.) Man kann mit uns reden. Oder schreiben. Beides geht.

Also jetzt Butter bei die Fische:
Team Finnland – endloser Wald, Ruhe und Weite?
Oder doch eher Team Norwegen – Drama, Fjorde, „Wow!“ hinter jeder Kurve?

Haut es in die Kommentare. Ein Satz reicht. Ein Wort notfalls auch. Aber wehe es kommt nur ein Daumen hoch!
Wir freuen uns wirklich – und antworten sogar. 


Im nächsten Teil geht es weiter durch Schweden – bevor wir uns über Dänemark endgültig auf den Heimweg machen.

1 Kommentar zu “Zwei Tage Finnland zwischen Wald, Weite und Weihnachtsmann

  1. Also: ich bin Team Norwegen.
    (Und jetzt dürft ihr auch was bei mir schreiben. 😉)

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