Nordkap-Roadtrip Tag 17 und 21.
Nach zwei sehr grünen, sehr stillen und sehr waldlastigen Tagen in Finnland hieß es heute: Länderwechsel. Schweden wartete. Und wie könnte man schwedischen Boden besser betreten als… mit einem IKEA-Besuch?
Tag 17: Von Rovaniemi (Finnland) nach Luleå (Schweden)
Direkt hinter der finnischen Grenze befindet sich nämlich Schwedens nördlichstes IKEA-Haus. Und ja, wir mussten da rein. Nicht, weil wir dringend irgendwas gebraucht hätten, sondern weil wir eh eine kleine Pause brauchten und es so früh morgens noch zu früh für Kaffee und Kuchen war..
Dank der Zeitumstellung schenkte uns Schweden eine Stunde. Blöd nur, dass IKEA erst um 10 Uhr öffnete. Also standen wir mit einer kleinen Menschentraube vor verschlossenen Türen. Interessanterweise stürmte die Mehrheit nach dem Öffnen nicht Richtung Möbel oder Frühstücksbistro, sondern schnurstracks zu den Toiletten. Wir vermuten: Camper ohne Nasszelle im Wagen.
Wir kauften tatsächlich eine Kleinigkeit. Nein, keine Kerzen, sondern Kissenbezüge denn es war Sommerschlussverkauf. Danach ging es weiter Richtung Luleå – und das Thermometer auf knusprige 33 Grad an. Ein Rekord auf dieser Reise.
Luleå selbst, Hauptstadt von Schwedisch-Lappland, wirkte entspannt, offen und sommerlich. Nach einem kurzen Stadtbummel entschieden wir uns jedoch für einen Abstecher ins etwa zehn Kilometer entfernte Gammelstad Kyrkstad.
Gammelstad Kyrkstad – Ein Dorf aus Pflicht und Glauben
Gammelstad Kyrkstad gehört zum UNESCO-Welterbe und ist ein sogenanntes Kirchdorf. Über 400 kleine, rote Holzhäuser gruppieren sich hier um eine steinerne Kirche aus dem 15. Jahrhundert. Früher mussten Gläubige aus der gesamten Region zu den Gottesdiensten anreisen – teilweise über viele Stunden. Da man nicht an einem Tag hin und zurück kam, bauten sich die reicheren Leute diese einfachen Übernachtungshäuser.



Heute kann man durch Gammelstad spazieren wie durch ein lebendiges Freilichtmuseum. Viele Häuser sind noch in Familienbesitz, andere können besichtigt werden. Bei 33 Grad fühlte sich der Spaziergang zwar eher nach Sauna an, aber es war absolut lohnenswert. Wer die kleine Siedlung mal im Winter sehen möchte, den empfehle ich mal bei „Schweden und so“ vorbeizuschauen.
Ein Gefühl von Paris in Nordschweden
Tag 18: Von Luleå nach Sundsvall
530 Kilometer standen heute auf dem Plan. Viel Straße, wenig Abwechslung – zumindest landschaftlich. Aber das Ziel entschädigte.
Sundsvall empfing uns mit breiten Straßen, eleganten Steinfassaden und überraschend viel Großstadtflair. Die Stadt wurde nach einem verheerenden Brand im Jahr 1888 nahezu komplett neu aufgebaut – und zwar aus Stein statt wie vorher wie üblich aus Holz. Das Ergebnis: eine der geschlossensten historischen Innenstadtarchitekturen Schwedens.
Unser Hotel für die Nacht: Das Hotel Knaust. Ein echtes Schmuckstück.



Schon die Eingangshalle mit ihrer monumentalen Treppe machte klar: Hier wird Geschichte nicht nur bewahrt, sondern zelebriert. Am Empfang entschuldigte man sich vorsorglich für mögliche Wärme im Zimmer – keine Klimaanlage. Völlig unnötig. Unser Zimmer lag perfekt beschattet, ein Ventilator wartete, und der Blick auf die Fußgängerzone war großartig.
Nach einem Stadtspaziergang folgte erst einmal Eiskaffee auf dem Zimmer. Urlaub eben. Abends ging es ins italienische Restaurant Basta, das Gunnar nach kurzer Suche im Internet fand. Sehr stilvoll, bund und sehr lecker. Danach schlenderten wir noch durch die Stadt, lauschten später aus unserem Zimmer noch der Musik aus einem benachbarten Club und genossen diese ganz besondere Sommerabend-Stimmung.



Parken in Sundsvall ist übrigens easy, auch wenn direkt am oder im Hotel nicht möglich. Ein großer öffentlicher Parkplatz nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt – günstig und absolut unproblematisch.
Hauptstadttrubel und V8-Gewitter
Tag 19: Von Sundsvall nach Stockholm
Nach einem Frühstück im prachtvollen Speisesaal des Hotel Knaust ging es weiter Richtung Süden. Ziel: Stockholm.
Wir kennen die Stadt bereits, von unserem Skandinavien Roadtrip 2022. Unser Hotel ließ uns schon um 13:30 Uhr einchecken. Parken? Kein Problem dank EasyPark oder Parkster. Damit war es günstiger als die Hotelgarage.
Erster Programmpunkt: Kaffee. Danach wollten wir Richtung Königspalast – und merkten das die Innenstadt unangenehm voll war. Den Grund sahen wir schnell: Zwei Kreuzfahrtschiffe lagen im Hafen, zusätzlich zu den vielen Reisebussen.

Wir zogen uns taktisch zurück, machten Pause im Hotel und gingen abends erneut los, um eine Kleinigkeit zu essen. Burger waren angesagt. Und als wir draußen vor dem Bastard-Burger Laden, den wir schon aus 2022 kannten saßen und unser Abendessen genossen, fiel uns auf, dass auf der Hauptstraße ständig alte amerikanische Straßenkreuzer hin und her fuhren. Wir also hin nachdem wir aufgegessen hatten und nebenbei gegoogelt: heute war Sveavägen Cruising – und das ist nichts Schlüpfriges.
Sveavägen Cruising – Benzin, Chrom und Rock’n’Roll
Das Sveavägen Cruising ist ein jährliches Event, bei dem sich Fans amerikanischer Oldtimer mitten in Stockholm treffen. V8-Motoren, Rockabilly, Lederjacken – Schweden liebt diese Kultur und zelebriert sie entsprechend.
Die Autos fuhren langsam die Straße entlang, parkten, posierten, wurden fotografiert. Es war laut, bunt und manchmal etwas skuril. Eine echte Überraschung, mit dem wir so nicht gerechnet hatten.


Malmö, Fleischbällchen und Abschiedsstimmung
Tag 20: Von Stockholm nach Malmö
Letzter ganzer Urlaubstag.
Malmö kannten wir bereits aus einer Kooperation, die wir vor Jahren einmal hatten, diesmal wohnten wir jedoch mitten in der Altstadt. Perfekt, um alles zu Fuß zu erkunden. Das Wetter war gnädig – nicht mehr ganz so heiß wie zuvor.
Wir schlenderten durch kleine Gassen, landeten in der Fußgängerzone und folgten dann den Einheimischen in den Schlossgarten. Grün, entspannt, herrlich. Wir machten Pause im überfüllten Gartencafé und schlenderten weiter zum Schloss, das Malmöhus. Eine Besichtigung sparten wir uns, denn von außen wirkte es eher wie ein roter Betonbunker mit Wassergraben. Aber Geschmackssache.
Zum kulinarischen Abschluss musste etwas ganz klassisch schwedisches her: Köttbullar. Im Restaurant Bullen sollen sie die besten Schwedens sein. Und ja: absolut zu Recht. Cremige Sauce mit einem Hauch Wisky, perfekte Konsistenz der Fleischklopse und Kartoffelpü, so mögen wir das.


Heimfahrt mit ein wenig Wehmut
Tag 21: Von Malmö über Dänemark nach Hause
Der letzte Tag bestand aus Fahren, Laden und weiterfahren. Shadow musste dreimal an die Ladesäule, zuletzt in Kolding – direkt an einem großen Shoppingcenter. Leider Sonntag. Leider geschlossen. Aber Egal, jetzt wollten wir auch nach Hause.
Damit endete unser dreiwöchiger Roadtrip zum Nordkap. Jede Menge Kilometer, unzählige Eindrücke, Wetterglück ohne Ende und das Gefühl, ein Land wirklich erfahren zu haben.

Skandinavien hat uns einmal mehr gezeigt, wie entspannt Reisen sein kann. Wie freundlich Menschen sein können. Wie gut Infrastruktur funktionieren kann. Und wie wenig man manchmal braucht, um glücklich zu sein.
Im nächsten Beitrag gibt es eine große Übersicht über die Strecke und die Kosten.

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