Nordkap-Roadtrip Tag 14.
Von Alta über Honningsvåg zum Nordkap.
Heute war er da. Der Tag.
Der Tag, auf den wir seit zwei Wochen hinfahren, hinfiebern, hinarbeiten. Nach einem tatsächlich sehr guten Frühstück in unserem Hotel in Alta – die Bewertungen hatten also nicht übertrieben – machten wir uns auf zur letzten Etappe unseres Roadtrips und dem Ziel unserer Reise: das Nordkap.
Schon beim Losfahren lag dieses besondere Gefühl in der Luft. Eine Mischung aus Vorfreude, Ungläubigkeit und der leisen Frage: „Sind wir wirklich gleich da?“
Die Landschaft wird rauer
Kurz hinter Alta änderte sich die Landschaft spürbar. Die Berge wurden flacher, die Vegetation karger, die Weite größer. Alles wirkte plötzlich offener, fast schutzlos. Wir merkten hier sehr deutlich, dass wir uns in einer Region befanden, die im Winter gnadenlos sein kann.


Wir stellten uns vor, wie es hier aussieht, wenn meterhoch Schnee liegt, Stürme über die Hochebene fegen und die Sonne sich wochenlang nicht blicken lässt. Vor allem bei dem Wetter, das wir heute hatten, fällt diese Vorstellung aber schwer: Sonne satt, blauer Himmel und Temperaturen jenseits der 20 Grad. Viel zu warm für das Nordkap, wie wir später noch feststellen sollten.
Wale, Rentiere und ganz viel Respekt
Je näher wir dem Ziel kamen, desto mehr wurde uns bewusst, wie besonders diese Region ist. Im Meer entdeckten wir Wale, relativ nah an der Küste. Keine riesige Show, kein Spektakel – einfach da. Kurz darauf standen Rentiere ganz selbstverständlich am Straßenrand oder trotteten über die Fahrbahn, als wäre es das Normalste der Welt.


Was uns auf den letzten Etappen immer wieder beeindruckt hat: die unglaubliche Anzahl an Radreisenden. Menschen mit vollbepackten Fahrrädern, die hier oben hunderte, teils tausende Kilometer zurücklegen. Und das nicht auf flachen Radwegen, sondern über steile Anstiege, lange Gefälle und durch teils kilometerlange Tunnel.
Ganz ehrlich: größten Respekt.
Diese Tunnel sind für Autofahrer schon nicht immer angenehm – für Radfahrer mit Abgasen, Lärm und Dunkelheit erst recht nicht. Gesund ist das sicher nicht, aber der Wille, diese Strecke aus eigener Kraft zu bewältigen, ist beeindruckend.
Ankunft am Nordkap – wir sind wirklich da
Am frühen Nachmittag war es dann so weit: Das Nordkap.
Schon die letzten Kilometer fühlen sich besonders an. Man weiß, dass man gleich an einem Ort steht, der für viele Menschen ein Lebenstraum ist und den sie nur aus dem Fernsehen oder Erzählungen kennen.
Am Parkplatz angekommen, wird man direkt mit der Realität konfrontiert: Eine Parkgebühr wurde fällig. Dafür hat man dann fünf Stunden Zeit, sich am Nordkap aufzuhalten. Eigentlich ganz vernünftig die Parkzeit zu begrenzen, damit jeder den Ort genießen kann. Wer zusätzlich ins Besucherzentrum, der Nordkapphallen, möchte – mit Ausstellungen, Kino und Souvenirshop – zahlt noch einmal extra.
Wir entschieden uns bewusst dagegen. Nicht aus Geiz, sondern weil wir etwas anderes wollten: den Moment.


Staunen statt Programm
Und der Moment war… überraschend entspannt.
Der große Besucheransturm war noch nicht da, es war angenehm ruhig. Kein Gedränge, kein Stress. Wir spazierten über das Gelände, standen an der berühmten Weltkugel (und machten die obligatorischen Fotos), blickten hinaus auf das offene Meer – und konnten es immer noch kaum glauben. Hier oben, abseits des Besucherzentrums ist viel Platz und man kann hier gut Zeit für sich haben.




Hier oben, auf rund 71 Grad nördlicher Breite, endet Europa. Zumindest gefühlt. Streng genommen ist das Nordkap mit der berühmten Weltkugel nicht der nördlichste Punkt Europas, sondern das etwa 20 Km entfernte Kap Knivskjellodden (hier ein schöner Beitrag dazu). Dort ist die Kulisse allerdings nicht so spektakulär, zumindest sagt das Wikipedia. Der Grund ist wahrscheinlich eher ein logistischer, denn es ist nicht so gut angebunden, um die Menge an Besucher aufzunehmen. Aber mal ehrlich: Gefühl schlägt Geografie. Und das Gefühl hier oben ist einzigartig.
Kommen wir mal zum Wetter. Normalerweise liegen die Temperaturen hier im Sommer bei etwa 11 Grad. Heute hatten wir deutlich über 20 Grad und Sonnenschein. Verrückt. Wir hätten im T-Shirt kommen können, aber waren vorsorglich viel zu warm angezogen: Für uns super, aber für die Natur eher nicht.
Zwei Stunden pures Erleben
Etwa zwei Stunden verbrachten wir am Nordkap. Spazierengehen, fotografieren, staunen, schweigen. Kein großes Programm, keine Checkliste. Einfach da sein.
Es war kein emotionaler Ausbruch, kein dramatischer Moment – sondern eher eine ruhige, tiefe Zufriedenheit. Dieses Wissen: Wir haben es wirklich gemacht.

Weiter nach Honningsvåg
Am späten Nachmittag machten wir uns auf den Weg ins rund 30 Kilometer entfernte Honningsvåg, wo wir heute übernachten. Die kleine Hafenstadt ist der nächstgelegene Ort zum Nordkap und lebt stark vom Tourismus, aber auch vom Fischfang.
Zum Abschluss des Tages gab es einen Spaziergang durch die kleine Stadt und einen leckeren Burger in einem ganz anständigem Lokal.



Hier endet unser norwegischer Teil der Reise. Morgen verlassen wir Norwegen und treten die Rückreise an – über Finnland, Schweden und Dänemark. Ein neuer Abschnitt beginnt.
Zwei Wochen die bleiben
Vierzehn Tage sind wir unterwegs gewesen.
Von Zuhause über Dänemark, entlang unglaublicher Fjordlandschaften, mit Fähren, durch Tunnel, über Serpentinen, durch Regen, Sonne und dieses magische Licht des Nordens.
Norwegen hat uns in seinen Bann gezogen. Und jedes Mal, wenn wir länger hier waren, hat uns das Land mit unerwartet gutem Wetter überrascht – fast so, als hätte es uns willkommen heißen wollen.
Dieses Erlebnis wird uns in Erinnerung bleiben. In Bildern, Erinnerungen und diesem Gefühl, etwas ganz Besonderes erlebt zu haben.
Fahrstrecke Tag 14:
275 km | ca. 4,25 Std.
Ladepausen:
Supercharger Honningsvåg (NOR), der derzeit nördlichste Supercharger der Welt – 19,89 KW
Hotel:
Scandic Bryggen
Vågen 1, 9750 Honningsvåg, Norwegen
Was sagt ihr?
Gibt es einen Ort auf eurer persönlichen Bucket List, bei dem ihr wisst: Wenn ich dort einmal stehe, werde ich diesen Moment nie vergessen? Erzählt uns gern davon in den Kommentaren.
Im nächsten Teil nehmen wir euch mit auf unsere Rückreise – Startpunkt: Finnland.

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