Mit dem Jeep durch den Canyonlands National Park

Der Wecker klingelte um halb sieben. Es war aber eigentlich schon eine Stunde später, denn wir hatten gestern vergessen, die Uhr um eine Stunde vorzustellen, denn wir waren ja jetzt in Utah.

Es regnete immer noch, was Gunnar ein wenig sauer machte, aber wir wollten abwarten. Wir stellten den Wecker eine Stunde weiter und schliefen noch ‘ne Runde. Danach sah es schon etwas besser aus, zumindest war es trocken, und nach dem Duschen, als wir beim Frühstück saßen, konnten wir aus dem Fenster schon eine kleine Ecke blauen Himmels entdecken. Wir beschlossen, die Tour nun doch zu machen, denn dafür waren wir ja hierher gekommen. Man kann Canyonlands zwar noch mit einer geführten Tour in einer Art Bus oder mit dem Mountainbike besuchen, wir wollten aber alles auf eigene Faust erleben. So gingen wir also erstmal zur Rezeption des Campingplatzes und verlängerten unseren Aufenthalt um einen Tag und dann weiter zur Farabee’s, der Jeep-Vermietung in Moab.

Es gibt zwei Arten Geländewagen zu mieten. Einen normalen Jeep Wrangler Sport oder das gleiche Fahrzeug in einer modifizierten Ausführung. Der hat dann eine höhere Bodenfreiheit und größere und stabilere Reifen. Für die Tour, die man uns vorschlug, reichte aber der normale Jeep mit 4 Litern Hubraum und 177 PS völlig aus.

Der Canyonlands N.P. besteht aus drei Teilen: The Needles, The Maze und Island in the sky. Für uns lag Letzteres am nächsten, und es soll auch der schönste Teil des Parks sein. Ein Mitarbeiter von Farabee’s zeichnete die “einfache” Tour mit ein paar schwierigen Parts in unseren Plan ein und zeigte uns dann den Wagen. Der war sehr spartanisch ausgestattet, denn alles, was schlecht zu reinigen ist, wie Teppiche oder Verkleidungen aus Stoff, war entfernt worden. Aber er war gut in Schuss, und das war die Hauptsache. Kostenlos bekamen wir noch eine Kühltasche mit Eis, in der wir unsere Getränke kühl halten konnten, mit. Wir fuhren schnell noch mal zum Campingplatz und luden unseren Proviant ein, und dann ging es los Richtung Nationalpark.

Die Tour war klasse, der Wagen auch. Auf den heftigen Steigungen fauchte der Sechszylinder giftig, und manchmal dachten wir echt, das Teil kippt uns gleich um, was er natürlich nicht tat, allenfalls mal leicht andeutete. Das, was Anfangs noch Straßen waren, verwandelte sich recht schnell in eine holprige Piste aus Felsbrocken, über die wir teilweise nur im Schritttempo herüberfahren konnten. Dabei dachten wir insgeheim immer “jetzt setzt er auf, jetzt setzt er auf”, aber das tat er nicht, die Bodenfreiheit reichte immer aus. Wir fuhren über riesige Felsplateaus, auf denen wir anhielten und den gigantischen Ausblick genossen. Unten floss der Colorado River und oben standen wir mit unserm Jeep. Das ist alles irgendwie nicht in Worte zu fassen, und das, was man sieht und fühlt, ist schlecht zu beschreiben.

Wir wechselten uns mit dem Fahren immer ab, selber fahren war aber angenehmer, da man sich wenigstens am Lenkrad festhalten konnte. Auf der Beifahrerseite wurde man gnadenlos durchgeschüttelt. Die Tour führte uns zum Colorado herunter, wo wir eine kurze Rast machten. Zum Ende der Tour wurde die Strecke immer abenteuerlicher. Wir mussten mit dem Wagen über einen Berg klettern, was nur über einen sehr schmalen und extrem steilen Weg machbar war. Es ging hier teilweise so steil bergauf, dass wir nur noch unsere Motorhaube, aber nicht mehr den Weg sahen. Hinzu kam, dass es auf einer Seite immer steil bergab ging. Fehler durften wir uns hier also nicht erlauben. Was wir tun würden, wenn uns hier ein Wagen entgegenkam, mochten wir uns lieber nicht ausmalen. Angst hatten wir aber nie, wir vertrauten uns und natürlich dem Wagen und schließlich ist das, was wir hier gerade erlebten, ja auch genau das, was wir wollten: Natur pur, Spielspaß und Spannung, besser kann man das doch gar nicht kombinieren.

Die ganze Zeit waren wir übrigens fast alleine unterwegs. Nur dreimal begegneten wir in den über 5 Stunden im Park anderen Fahrzeugen und einmal einer Gruppe Mountain-Biker.

Nach der Tour – der Wagen war durch Pfützen und Matsch so was von dreckig – fuhren wir erstmal zum Waschen und beseitigten die gröbsten Spuren der Fahrt. Unser Vermieter hat uns darum gebeten, damit er den Wagen hinterher besser auf Schäden überprüfen kann. Dann ging’s zurück, und schweren Herzens gab ich den Schlüssel bei Farabee’s wieder ab. Ich fand, der Wagen stand mir außerordentlich gut. Eine Mitarbeiterin kam mit uns zur Inspektion heraus und wollte die Fahrertür öffnen. Die hatten wir natürlich, wie es sich gehört, abgeschlossen. Sie kuckte uns an, grinste und fragte uns, woher wir kamen. “Hamburg/Germany”, sagte ich, und sie grinste noch mal. Dann ging sie zur Beifahrerseite. Das gleiche Spiel, die Tür war natürlich zu, und sie meinte, dass man Autos nur in Hamburg und in Phoenix abzuschließen bräuchte, in Moab ist das nicht notwendig. Schäden wurden nicht gefunden und sie bedankte sich, dass wir den Wagen heil zurückgebracht hatten, anscheinend ist das nicht so üblich.

Auf dem Weg zu Fuß zurück zum Campingplatz sprachen wir noch über den Tag und kamen überein, dass es gut war, die Tour doch noch gemacht zu haben und dass wir uns nicht von dem anfänglich schlechten Wetter haben beeinflussen lassen, denn diesen Tag werden wir sicherlich nicht so schnell vergessen.

Route: Von Moab auf der US-191 West bis zur Einmündung der 279. Weiter Richtung Potash. Ab dort geht es nur noch mit geländegängigen Fahrzeugen weiter. Der Trail führte uns über die Potash Road, links abbiegen zum Gooseneck Overlock vorbei am Musselman Arch, durch den Little Bridge und Lathrop Canyon bis herunter zum Colorado River. Das Ganze wieder zurück und am o.g. Abzweig links weiter über die Shafer Trail Road. Ab jetzt wird’s spannend, und es geht teilweise steil bergauf, bis man wieder auf der befestigten 313 ist, die wieder zurück auf die US-191 führt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.