Joshua Tree N.P.

Weiter ging es auf der I-10 in Richtung Palm Springs. Unser Ziel war der Joshua Tree N.P., der seinen Namen von den ungewöhnlich aussehenden Yucca-Bäumen hat. Auf dem Weg dorthin sahen wir in Cabazon auf der linken Seite einen großen Factory Outlet. Klar, dass wir dort rein mussten. 120 Geschäfte vieler großer Marken warteten hier auf uns. Zuerst zu Oakley, danach zu Puma; dort war aber noch geschlossen. Dann vorbei an Marken, die uns nichts sagten oder nur für Frauen interessant waren. Etliche Läden nahmen wir mit, und immer mussten wir von fast 40 Grad Außentemperatur rein in völlig unterkühlte Geschäfte und dann wieder raus in die Hitze. Gesund kann das nicht sein. Ganz zum Schluss landeten wir wieder bei Nike, und hier sprangen ein Paar neue Schuhe für mich raus. Gunnar hielt sich noch zurück.

Jetzt wurde es Zeit, weiterzufahren. Klimaanlage auf HIGH und ab ging’s. Zwei Meilen hinter White Water verließen wir die I-10 und fuhren auf der 62 North weiter Richtung Joshua Tree. Dort ist auch die Einfahrt zum Park. Die Gegend wurde immer sandiger. Starker Wind kam auf und wehte den rötlichen Sand über die Straße. Ein Schild wies uns nach rechts zur nördlichen Einfahrt. Vereinzelt standen Häuser, und wir fragten uns, wovon die Menschen hier leben, so weit ab von der nächsten Großstadt. Die Frage konnten wir uns nicht beantworten.

Die Eintrittspreise der Parks liegen übrigens immer zwischen 10 und 20 Dollar (meistens 20) pro Fahrzeug, gültig für eine Woche. Deshalb kauften wir bei der Einfahrt erst einmal den National Parks Pass für 50 Dollar, denn wir wollten ja auf unserer Reise noch in viele andere Parks. Der Pass ist ein Jahr gültig und berechtigt zum kostenlosen Eintritt in alle Nationalparks der USA.

Als wir in den Park einfuhren, teilte uns der Ranger mit, dass die von uns beabsichtigte Strecke – Im Norden rein, im Süden wieder raus – nicht möglich sei, da eine Straße im südlichen Teil überschwemmt und nicht passierbar sei. Wie das?… dachten wir uns. Hier weht überall trockener Sand durch die Gegend, der Boden ist knochentrocken, wieso ist da 20 Meilen südwärts kein Durchkommen wegen Überflutung mehr? Wir glaubten dem Ranger nicht so richtig, änderten aber schon mal im Kopf die Strecke für den kommenden Tag, nicht aber die Absicht, im Park zu campen. Wir entschieden uns für den Campingplatz an den Jumbo Rocks und fuhren los. Das Wetter verschlechterte sich zusehends und die Bewölkung nahm zu. Als wir an einer Baustelle ankamen, mussten wir halten. Ein Kojote begrüßte uns als Erstes, danach die Baustellenaufsicht. Die nette junge Frau erklärte uns, dass hier die Straße über mehrere Meilen erneuert würde und dass wir uns noch ein wenig gedulden mögen; ein Pilot Car würde uns durch die Baustelle bringen. Dies ist in den USA durchaus üblich. Da die Baustellen dort sehr groß sind und man auf Sicherheit größten Wert legt, fährt ein Pickup vor und bringt einen auf die andere Seite der Baustelle. Bei sehr langen Kolonnen wird dem letzten Fahrzeug oft noch ein Stab mitgegeben, den er am Ende der Baustelle der Aufsicht übergibt. Somit wird sichergestellt, dass kein Auto mehr auf der Strecke ist.

Während wir warteten, wurde aus den paar Tropfen schon ein richtiger Regen; als wir aber losfuhren, wurden oben alle Schleusen geöffnet. Augenblicklich verwandelte sich die Umgebung in eine Seenlandschaft. Plötzlich glaubten wir den Ausführungen des Rangers.

Kurz nachdem das Pilot Car uns wieder alleine fahren ließ, war wirklich “Land unter”. Die Straße war über ca. 200 Meter nicht mehr zu erkennen. Nur die umstehenden Pflanzen gaben uns noch einen Anhaltspunkt, wo wir fahren mussten. Bei der Durchfahrt schlug das Wasser fast wieder über uns zusammen. Das mussten wir natürlich noch filmen, also kehrten wir um und fuhren das Ganze noch einmal. Gunnar ging nach hinten und filmte sozusagen aus dem Wohnzimmerfenster. Pitschenass kam er wieder zurück. Mittlerweile hatten wir sogar Wasser im Wagen, das sich durch den Motorraum seinen Weg ins Innere gesucht hatte.

Kurze Zeit später hörte es auf zu regnen, und wie von Zauberhand verschwand das Wasser im Wüstensand, die Sonne kam heraus und es schien, als wäre nichts gewesen.

Wir suchten uns einen Platz für unseren Wagen und genossen die Natur. Dieser Campingplatz war der erste, an dem es außer einer öffentlichen Toilette (ohne Spülung) nichts weiter gab. Man stellt den Wagen in eine der Parkbuchten und genießt die Natur pur. Nach dem obligatorischen Nachmittags-Kaffee wollten wir noch ein wenig wandern. Direkt an unserem Stellplatz begann ein Trail, den wir gehen wollten. Hier ist das Gelände steinig durchsetzt mit einer interessanten Vegetation. Joshua Trees sind hier kaum, dafür aber Kakteen, kleinere Palmen und andere Pflanzen, die mit wenig Wasser auskommen. Rundherum lagen große helle Steine und natürlich die Jumbo Rocks. Große Felsformationen mit weichen Kanten, als wären sie von Wasser geschliffen worden.

Der Trail wurde durch Steine markiert, aber irgendwann verlief er ins Leere. Laut Karte sollte es aber ein Rundweg sein, der uns wieder in die Nähe unseres Ausgangspunktes bringen sollte. Jetzt konnten wir uns überlegen, zurückzugehen oder aber es auf eigene Faust zu versuchen. Wir entschieden uns dafür, den Weg selber rund zu machen und versuchten unser Glück. Es macht ja auch viel mehr Spaß, neue Wege zu entdecken, als das zu gehen, was tausend Andere schon abgegrast haben. Wir kletterten also über die Hügel rüber, um zu erfahren, dass dahinter noch welche waren. Jumbo ist eben das, wonach es sich anhört: etwas mehr. Also weiter. Ganz zum Schluss mussten wir uns sogar durch eine immer schmaler zulaufende Felsspalte zwängen, um dann ungefähr wieder die richtige Richtung zu haben. Natürlich haben wir es geschafft. Den wunderschönen Sonnenuntergang genossen wir auf einem Felsen. Außer dem Jungen mit der Gitarre 200 Meter weiter links und einem Pärchen 300 Meter weiter rechts war hier kein Mensch. Es war richtig romantisch.

Abends saßen wir noch lange draußen und schauten in die vielen Sterne, die durch die fehlende Umgebungsbeleuchtung viel heller waren als in der Stadt und wie eine Decke über uns lagen. Nur die und der Mond beleuchteten die Umgebung, und so schalteten wir schon ab und zu mal die Taschenlampe an, um zu sehen, was da grad so in den Sträuchern geraschelt hat. Sehen konnten wir aber nix. Diese Einsamkeit war zwar ein wenig ungewöhnlich, aber auch sehr schön. Zwei weitere Camper waren in Hörweite, und abends fuhr regelmäßig ein Ranger vorbei und schaute, ob alles ok ist.

Route: In Fairplex/Pomona wieder auf die Interstate #10 West bis White Water, dort links auf die 62 North bis Joshua Tree. Im Ort führt rechts eine schmale Straße zum Parkeingang.

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