Der Hoover Damm

Der Hoover Damm liegt ca. 50 km südöstlich von Las Vegas, genau auf der Grenze zwischen Nevada und Arizona. Er staut den Lake Mead auf, welcher vom Virgin River und vom Colorado River gespeist wird. Der 1936 fertiggestellte Damm versorgt Las Vegas sowie weitere Bundesstaaten mit Trinkwasser, für Las Vegas ist er außerdem von jeher zuverlässiger Stromlieferant.

Das Bauwerk ist gigantisch: Die Staumauer ist ca. 221,3 m hoch und 379,2 m lang. Die dickste Stelle ist 201,2 m, die dünnste 13,7 m breit. Im Hoover Damm wurden mehrere Millionen m³ Beton verarbeitet, allein in der Staumauer 2,5 Mio. m³. Viele Bauarbeiter ließen damals für den Bau ihr Leben, aber dennoch gab es nie ein Mangel an Arbeitskräften, denn man war stolz, bei diesem gewaltigen Vorhaben dabei gewesen zu sein. Baubeginn war 1931.

Die US-93 führt direkt über den Damm und ist ein Nadelöhr auf der Strecke Las Vegas – Grand Canyon. Etwas südlich vom Damm wird daher schon an einer Ausweichstrecke gebaut, die mit einer Hochbrücke den Colorado River überqueren wird. Aus Angst vor Anschlägen werden alle LKW, Vans und natürlich Wohnmobile vor der Fahrt über den Hoover Damm genau kontrolliert. Wir mussten unsere Papiere zeigen und es wurden alle äußeren Compartments untersucht. Innen mussten wir alle Schränke und Türen öffnen.

Dann ging es weiter und wir parkten auf der anderen Seite des Damms. Zu Fuß überquerten wir ihn wieder und gingen Richtung Visitor Center. Dieses war etwas anders als die üblichen, denn auch hier wurden wir wie auf dem Flughafen genau untersucht und unser Gepäck durchleuchtet. Dabei fiel mein Schlüsselbund unter das Röntgengerät, was ich zuerst aber nicht bemerkte. Naja, wir haben es schließlich wiedergefunden.

Nach der Kontrolle standen wir auch schon an der Kasse und buchten, weil hier gar nichts anderes möglich war, für 10$ pro Person eine Führung durch den Damm. Diese begann mit einer kleinen Exkursion durch die Geschichte und den Bau. Danach ging es mit dem Lift hinunter in den riesigen Turbinenraum. Leider konnten wir hier nicht hinausgehen und uns die Mauer mal von unten anschauen. Wieder oben angekommen, ging es noch in ein Museum und zu einer Vorführung, in der uns die Bedeutung aller Staudämme in diesem Gebiet anhand eines Models erläutert wurde. Es ist schon alles sehr interessant und auf jeden Fall einen Besuch wert.

Aber für heute war natürlich noch nicht Schluss, denn es war erst halb drei. Nach ca. einer Stunde Rückfahrt standen wir auf dem Parkplatz vor dem Stratosphere Tower und es war… windstill! Wir also hinein zum Counter, wo es die Karten für den Turmbesuch und die Rides zu kaufen gab. Man kann alles einzeln buchen, oder man kauft eine Tageskarte für 19,95$ pro Person. Mit der Karte kann man einen Tag lang so oft man will den Turm und die Fahrgeschäfte benutzen. Da wir heute Abend Las Vegas auch noch mal im Dunkeln von oben bewundern wollten, entschieden wir uns für diese Variante. Als die Dame uns an der Kasse das “All Inclusive Bändchen” ums Handgelenk legte, wurde mir schon ein wenig mulmig im Magen.

Vor dem “Spaß” stand auch hier aber erstmal die Sicherheitskontrolle. Auch der etwas über 350 Meter hohe Tower wird anscheinend als ein gefährdetes Ziel eingeschätzt. Uns sollte es recht sein, ging es doch auch um unsere Sicherheit. Nach der Kontrolle ging es mit 45 km/h die Stunde Richtung Aussichtsplattform in etwa 260 Metern Höhe. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick auf Las Vegas und Umgebung. Zur Achterbahn mussten wir aber noch etwas höher, denn die fährt auf dem Dach der Plattform in etwa 277 Metern ab.

Obwohl es in Wirklichkeit nicht so ist, hat man das Gefühl, dass die Bahn, die sich dreimal um den Turm windet, direkt über dem Abgrund fährt. Ich wollte deshalb auch nicht außen sitzen. Sie ist nicht wirklich schnell, aber sie klappert ziemlich und bei der Höchstgeschwindigkeit von zwar nur 48 km/h hatten wir dennoch manchmal einen ziemlichen Schiss. Nach der wilden Fahrt ging es, wie sollte es anders sein, noch eine Etage höher und wir standen vor dem Big Shot.

Das Teil kennt man ja vom Jahrmarkt: Ein Turm an dem an einem Gestell rundherum die Fahrgäste sitzen, welches dann mit Druckluft in die Höhe geschossen wird und dann wieder im freien Fall zu Boden saust. Nur war hier der Turm auf dem Turm und zwar in 281 Meter Höhe, und wir sollten dort noch mal knapp 50 Meter in die Höhe katapultiert werden. Mir ging zwar der Allerwerteste auf Grundeis und ich glaube Gunnar auch, aber wir hätten uns geärgert, wären wir da nicht mit gefahren – und außerdem: betolt is betolt. So nahmen wir also in den Hartschalensitzen Platz, zogen den Bügel über die Schulter und sicherten diesen noch mal extra mit einem Gurt. Als alle Platz genommen hatten, ging die Aufsicht noch einmal herum, grinste uns an und mein Herz pocherte wie wild. Jetzt hoben sich die Sitze etwas in die Luft, sodass die Beine den Boden nicht mehr berührten und hinter uns fing es an zu zischen. Ganz klar Druckaufbau, oh je, dachte ich nur.

Der überaus lustige Mensch an den wichtigen Knöpfen schaltete auf spannende Musik um und erzählte uns, wie geil das sei, was gleich passieren wird und dass wir doch den Kopf nicht nach unten, sondern an die Rückenlehne drücken sollten. Die Sitze senkten sich wieder ein kleines Stück und der lustige Mensch sagte “Bye bye, have fun”. Mit ungeheuerlicher Wucht wurden wir in die Luft geschossen und erreichten wahrscheinlich innerhalb einer halben Sekunde oder schneller die maximalen 72 km/h. Dabei wurden wir heftigst in die Sitze gepresst, um Sekunden später die gleiche Strecke wieder im freien Fall nach unten zu nehmen. Aus den Lautsprechern erklang jetzt “Viva Las Vegas” von Elvis. Kurz abgebremst und ab ging’s wieder nach oben. Das Ganze war gleichermaßen geil wie auch schrecklich, die Aussicht war genial, das Gefühl unglaublich. Als wir wieder auf festem Boden standen, hatte ich wirklich weiche Knie und ich musste mich erst mal setzen. Ich hatte plötzlich auch tierischen Durst und wusste nicht wirklich, was da eben passiert war, aber ich wusste dass es cool war. Wir saßen noch eine Weile am Fenster in der Aussichts-Etage und gingen dann wieder hoch und wollten noch mal mit der Achterbahn fahren. Die war aber mittlerweile wegen des aufkommenden Windes geschlossen worden. Aber der Big Shot war noch im Betrieb. Ok ok, dachte ich, wenn ich’s einmal geschafft hab, dann auch ein zweites Mal. Ich setzte mich also wieder in den Sitz. Diesmal wurde der Shot nicht vollständig besetzt und es wurde darauf geachtet, dass das Gewicht gleichmäßig verteilt war.

Nun ja, das Zweite war noch viel schlimmer als das erste Mal und selbst Gunnar schrie jetzt beim Abschuss wie am Spieß. Hinterher fühlt man sich aber immer irgendwie euphorisch. Würden wir es wieder machen? Klar. Es ist schon ein echtes Erlebnis.

Der Tower machte auf uns übrigens keinen so tollen Eindruck. Nach nur knapp sechs Jahren steht die erste Grundrenovierung an. Dadurch, dass die Vorbereitungen dafür schon liefen und oben in der Plattform schon einige Verkleidungen fehlten und auch der Beton teilweise bröckelte (in fast 300 m Höhe!!!), wirkte alles etwas schmuddelig und nicht sehr vertrauenswürdig.

Nachdem wir wieder unten waren, fuhren wir nach Las Vegas Downtown. Dort ist mit der Fremont Street der eigentliche Ursprung der Spielerstadt. Diese Straße, in der die berühmten, aus vielen alten Filmen bekannten Casinos stehen, fristete bis Dezember 1995 ein eher trauriges Dasein. Die alten Casinos und Hotels wurden durch die glitzernden Riesen-Paläste am Strip komplett verdrängt und lagen schon lange nicht mehr im Zentrum der Stadt und schon gar nicht im Interesse der Besucher. Es musste also etwas getan werden und so schlossen sich die Casino- und Hotel-Besitzer und die Stadt zusammen, um mit “The Fremont Street Experience” eine neue Attraktion in Las Vegas zu schaffen. Hierfür wurde der komplette Straßenzug auf rund 427 Metern Länge komplett mit einem fast 28 Meter hohen Dach versehen. Fast 2,1 Millionen farbige Lampen im Dach sorgen alle 30 Minuten nach Einbruch der Dunkelheit für eine beeindruckende Lightshow. Dazu kommt ein Soundsystem aus 208 Konzertlautsprechern mit insgesamt 540.000 Watt, das für erstklassigen Sound sorgt. Die Wartezeit bis zur ersten Show verbrachten wir mit Schlendern und mit einem Starbucks-Käffchen im Golden Nugget Casino.

Auch hier in Downtown konnten wir übrigens gut mit dem Wohnmobil parken. Kurz vor der Freemont Street ist ein großer Parkplatz mit einem für uns bis dato unbekannten Parksystem. Zuerst wählt man sich einen Stellplatz aus und merkt sich die Nummer. Dann zählt man 2.25$ ab und schmeißt die in den entsprechend nummerierten Schlitz in einem Kasten, der dort zentral aufgestellt ist. Genial einfach.

Jetzt war es mittlerweile dunkel, sodass wir noch mal zum Strato Tower fahren konnten, um Las Vegas bei Nacht von oben zu sehen. Leider waren jetzt beide Rides wegen Sturm geschlossen, sonst wären wir noch mal gefahren. Ein richtig warmer Wind wehte uns hier um die Ohren, und es war ziemlich voll, aber die geniale Aussicht auf Las Vegas bei Nacht entschädigte dafür. Wir konnten sehr gut die Konturen der Stadt erkennen, dort wo es schlagartig kein Licht mehr gab, war auch nichts mehr, nur noch Wüste. Aber Las Vegas war natürlich hell erleuchtet und das zu sehen, ist echt toll.

Gunnar hatte zuvor auf unseren Eintrittskarten gelesen, dass es evtl. cashback geben könnte, wenn die Fahrgeschäfte technisch- oder wetterbedingt nicht fahren könnten und so versuchten wir mal unser Glück. Zuerst fragte ich oben, wie die Chancen stünden und die Dame meinte, sehr gut, wir sollen uns unten an der Kasse melden.

Das taten wir dann auch. Zuerst realisierte ich gar nicht, dass hier unten jetzt die gleiche Dame wie oben saß, aber während wir warteten, hatte es wohl einen Schichtwechsel gegeben. Wir rechneten damit, dass wir vielleicht ein, zwei Dollar zurück bekämen, die wir dann auch mal in einen Spielautomaten stecken wollten. Vielleicht würden wir so ja als Millionäre nach Hause fliegen. Nach einer kurzen Beratung mit einer Kollegin wurde uns jedoch mitgeteilt, dass es ihr sehr leid tut und sie uns nicht mehr als zehn Dollar pro Karte zurückgeben könnte. Grinsend nahmen wir das Geld und steckten es natürlich nicht in die Slot Machines. Wir waren zweimal auf dem Turm, sind dreimal gefahren, und das alles für zusammen 19.90$, was will man mehr?

Heute hatten wir viel erlebt. Zufrieden fuhren wir zum Campground zurück und freuten uns über 20 Dollar mehr in der Reisekasse. Morgen früh werden wir diese Traumstadt leider wieder verlassen, aber da sie sich ständig verändert und mit immer neuen Überraschungen aufwartet, war es bestimmt nicht unser letzter Besuch gewesen.

Route: Windmill Rd. geradeaus über die Kreuzung, auf die 215 East bis zum Ende und dort auf die I-515 South. An deren Ende auf die US-93 Richtung Boulder.

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