Blick aufs Capitol Reef

Heute soll es von Moab zum Grand Staircase-Escalante National Monument gehen. Kennt Ihr nicht? Macht nichts, gleich werdet Ihr es kennenlernen. Zuerst machten wir aber einen kurzen Abstecher zum Arches N.P., der nahe Moab liegt. Wir hatten ihn eigentlich nicht auf unserem Programm, aber weil er sozusagen direkt an der Straße kurz hinter Moab liegt, schauten wir hier natürlich auch mal vorbei.

Der Arches N.P. ist bekannt für sein hohes Aufkommen an den berühmten Steinbögen. Mehr als 2.000 mit Bogenweiten von 3 bis zu 306 Fuß soll es hier davon geben. Wir dachten natürlich, die stünden alle dicht an dicht, dem war aber natürlich nicht so. Als erstes wanderten wir mal zum Aussichtspunkt, von wo aus man den wohl bekanntesten, den Delicate Arch, sehen konnte. Er war recht weit weg und schien dadurch auch ein wenig klein. Von einem anderen Punkt aus hätte man aber direkt heran gekonnt. Weiter ging’s auf einem Trail und hier gab es einige größere Arches zu sehen. Es war relativ voll und deshalb auch nicht ganz so schön. Trotzdem wollten wir gerne noch einen wirklich großen Bogen sehen und wanderten deshalb weiter. Nach einiger Zeit kamen wir dann auch zum Landscape Arch, der tatsächlich ziemlich groß ist. 1991 brach dem Bogen von der Unterseite ein ca. 11 Fuß hohes und 60 Fuß langes Stück ab, wodurch er jetzt ein wenig instabil wirkt. Rüber gehen würde ich da nicht mehr. Nach ungefähr zwei Stunden verließen wir den Park wieder. Man hätte sicherlich noch länger dort bleiben können, aber so interessant war es für uns dann doch nicht.

Unser Weg führte uns direkt durch den Capitol Reef N.P.. Die Strecke dorthin ging durch endlose Steinwüsten auf teilweise schnurgeraden Straßen. So muss es auf dem Mond aussehen, dachten wir. Nach dem N.P. wurde es grüner. Wir waren jetzt im Dixie National Forest, einem riesigen Waldgebiet. Dichter Wald und saftiges Grün und ein toller Blick auf Capitol Reef und Umgebung (siehe oben). Die Serpentinen brachten uns auf Höhen von über 8.000 Fuß. Ein Teil der Strecke führte längs über einen Bergkamm. Die Straße war so breit wie der Kamm selbst. Links und rechts von der Straße ging es bergab.

Dann ging es wieder abwärts nach Boulder, einer kleinen Stadt, die nur aus ein paar Ranches besteht. Kurz hinter Boulder beginnt das Grand Staircase-Escalante N.M.. Direkt an der US-12 liegt mitten in einem Canyon, durch den der Calf Creek fließt, ein kleiner Campingplatz. Wir sahen ihn nur zufällig von oben, weil dort unten Wohnmobile standen.

Nett, dachten wir und fuhren die schmale Straße herunter. Für große Motorhomes ist der Platz nicht geeignet, weil er relativ eng ist. Auch gibt es hier keine Strom- und Wasseranschlüsse und keine Duschen, aber immerhin Toiletten. Die Lage entschädigt aber dafür. Zufällig bemerkten wir, dass am hinteren Wagenboden eine der beiden Aufsetzstützen aus einer Halterung herausgerissen war und jetzt nur noch lose an einer Schraube hing. Diese Stützen sorgen dafür, dass am Boden beim Aufsetzen (was zwangsläufig passiert) nicht die Entsorgungsrohre beschädigt werden. Wir vermuteten mal, dass das in Moab passiert sein musste, als wir von einer Tankstelle fuhren. Darum würden wir uns aber später kümmern.

Als wir auf dem Platz ein wenig umhergingen, sahen wir, dass es einen Trail gibt, der zu den Calf Creek Lower Falls führte. Obwohl es schon recht spät war, wollten wir die Wanderung unbedingt noch machen, holten uns also schnell noch was zu trinken und gingen dann los. Am Anfang des Trails gab es einen kleinen Trail Guide zum mitnehmen, auf dem der Weg und die interessantesten landschaftlichen Höhepunkte beschrieben sind. Außerdem eine Warnung, dass der Sechs-Meilen-Marsch (hin und zurück) je nach Wetterlage bis zu vier Stunden dauern könnte. Da es aber nicht sonderlich heiß und der Weg auch als relativ einfach, mit geringen Steigungen, beschrieben war, trauten wir uns dennoch los. Es war gegen 18:00 Uhr und die Sonne würde in etwa eineinhalb Stunden untergehen. “Dann gehen wir eben etwas schneller”, meinte Gunnar, und so zogen wir los. Es ist ein schmaler, sandiger Pfad; teilweise musste man auch ein wenig über Steine klettern, aber er war leicht zu bewältigen. Gunnar ging meist voraus und las aus dem Trail Guide vor, was wir am nächsten interessanten, durch Nummern markierten Punkt sehen, hören oder riechen werden bzw. eigentlich sehen, hören oder riechen sollten. Das meiste sahen wir aber nicht. Wir vermuteten, weil es grad nicht da war.

Er las auch vor, dass hier sehr viele Tiere leben. U.a. Squirrels, Koyoten und Berglöwen (Pumas). An einem sandigen Stück am Ufer des Calf Creeks sahen wir dann auch tatsächlich Spuren, die von einem Puma hätten stammen können, oder doch von einem Hund? Merkwürdig nur, dass wir auf dem ganzen Weg bisher keine Spuren von Hundepfoten gesehen hatten…

Nach eineinhalb Stunden waren wir am Wasserfall angekommen. Dieser war viel größer und schöner, als wir erwartet hätten. Es war wie eine kleine Oase am Ende des Canyons. Kurz zuvor waren uns die zwei Wanderer, die auf dem Rückweg waren, entgegengekommen. Wir waren also die Letzten hier. Lange aufhalten konnten wir uns leider nicht, denn die Sonne ging mittlerweile unter, und wir hatten noch den ganzen Weg zurück zu gehen. Unten am Wasserfall sahen wir wieder frische Spuren im Sand. Pfoten mit sehr spitzen Krallen. Eigentlich untypisch für einen Hund. Außerdem waren nur ganz wenige Spuren zu sehen. Ein Hund hätte nach dem langen Weg sicherlich ein wenig am Wasser getollt. Wir machten uns also mit einem etwas mulmigen Gefühl im Magen und Gunnar zusätzlich mit einem Knüppel bewaffnet auf den Rückweg. Langsam brach die Dämmerung ein, die Grillen fingen an zu zirpen, und über uns flogen schon die Fledermäuse, die jetzt ihre dunklen Höhlen verließen. Verständlich, dass wir nun etwas schneller gingen und uns von nichts mehr aufhalten ließen. Den Weg konnten wir zwar noch erkennen, aber es lag ja auch noch eine ziemliche Strecke über Stock und Stein auf dem schmalen Weg vor uns.

Auf der Hälfte der Strecke überholten wir noch die zwei Frauen, denen wir vor dem Wasserfall begegneten. Sie schlenderten eher, als dass sie es eilig hätten. Wir dagegen hatten Durst, Hunger und zugegebenermaßen auch ein wenig Schiss.

Um 20:15 Uhr waren wir wieder zurück und freuten uns auf das Abendessen und ein kaltes Getränk. Wir waren aber trotz des mulmigen Gefühls auf dem Rückweg froh, die Wanderung noch gemacht zu haben. Dem Puma waren wir nicht mehr begegnet, was auch gut so war, denn, obwohl die Kätzchen ja ganz hübsch anzuschauen sind, anlegen möchten wir uns nicht mit ihnen.

Route: Die US-191 North, rechts liegt der Arches N.P.. Danach auf die I-70 West bis Exit 147, dort auf die 24 South über Hanksville nach Torrey. Weiter auf der 12 South über Boulder zum Calf Creek Campground.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.