Es war eine gute Entscheidung, dass wir am Vorabend nicht mehr in Downtown San Francisco waren. So konnten wir früh schlafen gehen und waren am nächsten Morgen wenigstens ausgeschlafen, als der Wecker um 5:00 Uhr klingelte. Wir hatten einen “early pickup” gebucht, was bedeutete, dass Moturis, unser Wohnmobil-Vermieter, uns schon um 7:00 Uhr abholte. Frühstück gab’s ab 6:00 Uhr und so standen wir pünktlich mit Sack und Pack im Foyer und warteten auf das Shuttle. Einige andere (Deutsche) waren leider noch im Bett, was bedeutete, dass sich die Abfahrt um eine halbe Stunde verzögerte.

Die Fahrt zur Vermietstation dauerte auch noch mal 30 Minuten und zeigte uns, wie groß selbst San Francisco nebst seinen Vororten ist. Die Formalitäten in der Station waren schnell erledigt. Wir schlossen nur noch ELVIP ab, eine Zusatzversicherung, die die Selbstbeteiligung für Schäden von 2.000 auf 200 Dollar reduziert, mieteten zwei Klappstühle und haben dann auf die Einweisung in die technischen Details des Wohnis gewartet. Auf dem Hof stand er schon: Ein 21-Fuß-Ford E-350 Superduty, der echt aussieht, wie ein amerikanischer Krankenwagen. Unser Kennzeichen: H44TVK aus Florida. Da wir den Wagen besenrein wieder abgeben müssen, hatte Gunnar noch die gute Idee, nach einem Besen zu fragen, den wir auch ohne Probleme bekamen.

Da saß ich nun also hinter dem großen Lenkrad des ungewohnt großen Wagens, drehte den Schlüssel um, und der 3,5-Liter-Motor blubberte los. Für amerikanische Verhältnisse hatten wir übrigens ein sehr kleines Wohnmobil und auch die Maschine befand sich mit ihren 230 PS eher im unteren Level. Uns reichte das aber und zufrieden steuerten wir unser erstes Ziel an: Der erste Einkauf. Schon zuhause hatten wir uns schlau gemacht und wussten, dass in der Nähe ein Safeway-Markt ist. Auf der recht ungenauen Karte von Moturis war er auch verzeichnet, sodass wir ihn nach einer Runde durch die Nachbarschaft auch gefunden hatten.

Einen Zettel hatten wir uns nicht gemacht; Gunnar meinte: “Kaufen wir einfach ein wie immer”. Wir also rein in den Laden und von links nach rechts alle Regale durchgestöbert. Hauptsächlich Getränke und Fertiggerichte, aber auch Brot, Kaffee, Milch und Erdnussbutter landeten im Einkaufswagen. Gunnars letztes Ziel war die Bäckerei, wo wir uns erstmal zwei leckere Donuts aussuchten. Was uns sofort auffiel, waren natürlich die vielen uns fremden Markennamen, aber auch die Freundlichkeit, mit der das Personal uns begegnete. Ständig wurden wir mit einem herzlichen “Hello” begrüßt und der Frage, ob wir alles finden, was wir suchen. Außerdem fiel auf, dass einige Lebensmittel wie Säfte, unsere Chunky-Suppen und Cerealien recht teuer sind.

An der Kasse wird übrigens nicht mehr “plastic or paper” gefragt; man packt unsere Lebensmittel gleich in Plastiktüten ein. Diese eignen sich hervorragend als Mülltüten, wie wir später feststellten. Nachdem wir unseren ersten 100$-Einkauf im Wagen verstaut hatten, dirigierte mich Gunnar fast perfekt zum Winchester-Haus, welches wir uns nur kurz von außen ansahen, da uns die Eintrittspreise für die Führungen dann doch etwas zu hoch erschienen.

Entlang des Highway #1 gibt es viele schöne Strände
Entlang des Highway #1 gibt es viele schöne Strände
Unserer ist der Zweite, der Kleine
Unserer ist der Zweite, der Kleine

Mittlerweile ist es auch schon richtig mollig warm geworden, und wir waren froh, wieder im Wirkungskreis unserer Klimaanlage zu sitzen, und so fuhren wir auf den Highway #1, der Küstenautobahn, die von San Francisco nach L.A. führt. Unser nächstes Ziel ist der “Pfeiffer Big Sur State Park” ca. 250 km südlich von S.F.. Die Strecke dorthin ist wirklich wunderschön. Sie schlängelt sich meistens direkt an der Küste entlang und hat viele Möglichkeiten anzuhalten und den Ausblick zu genießen. Das taten wir natürlich auch reichlich.

Am Nachmittag kamen wir dann in Big Sur an; die Einfahrt zum State Park und zum Campingplatz geht direkt vom Highway #1 links ab. Wieder werden wir freundlich empfangen und sorgen sogar für ein wenig Unterhaltung, als sie erfuhren, dass Gunnar den gleichen Nachnamen hat wie die Namensgeber des Parks. Für 16$ mieteten wir uns einen echt schönen Stellplatz. Da es sich um einen staatlichen Platz handelt, hatte es dort keine Hookups (Wasser-, Abwasser- und Stromanschlüsse für den Wagen), dafür aber öffentliche Toiletten und Bezahl-Duschen. Außerdem sind die Stellplätze auf staatlichen Plätzen meistens recht groß und naturbelassen.

Wir kochten uns dann erstmal einen Kaffee, verputzten unsere Donuts und genossen unseren ersten richtigen Urlaubstag in Amerika.

Die berühmte Bixby Creek Bridge in Big Sur
Die berühmte Bixby Creek Bridge in Big Sur
Namensvetter
Namensvetter
Fotostop im Big Sur State Park
Fotostop im Big Sur State Park
Dämmerung im Big Sur State Park
Dämmerung im Big Sur State Park

In der Karte des Parks waren ein paar Trails eingezeichnet, und wir suchten uns einen Rundweg durch die umliegenden, bewaldeten Hügel bis hin zum Pfeiffer’schen Wasserfall aus. Puh, das war ganz schön anstrengend, da es doch teilweise recht steil hinauf ging. Manchmal brannte einem die Sonne auf der Haut, und man schwitzte, und im Schatten war es dann mit den feuchten Klamotten fast schon wieder zu kühl. Der Wasserfall entschädigte uns dann aber für die leichte Strapaze und außerdem ging’s von da an ja auch fast nur abwärts. Es dämmerte schon, als wir wieder unten ankamen, und so machten wir uns auf den Weg zum Wohni, denn langsam meldete sich der Hunger.

Route: Von San Francisco aus auf die 101 South Richtung Monterey, dort auf dem Highway #1 South nach Big Sur

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