Südafrika 2016

Es ist der 1. Oktober 2017 als ich diese Zeilen schreibe. Heute ist ein schöner Herbsttag gewesen, aber wenn ich auf diesen Sommer zurückblicke, kann ich mich nur an wenige Tage erinnern, die den Namen Sommer wirklich verdienen.

In meiner Kindheit war das anders. Die Sommer waren Sommer und in den Sommerferien könnte man sich darauf verlassen, dass es auch richtig schön warm war. Und die Winter? Auch die machten Ihren Namen alle Ehre. Meterhoch Schnee, und der Schlitten kam auch bei uns in Norddeutschland immer zum Einsatz.

Diesen Sommer habe ich nur relativ verregnet in Erinnerung. Und was auffällt, man kann sich auf die Wettervorhersage kaum noch verlassen, nicht mal auf die von morgen. Das macht es einem fast gar nicht möglich Outdoor-Aktivitäten zu planen. Wenn man Pech hat fällt der Grillabend mit Freunden einfach ins Wasser.

Wie gern würden wir uns abends nach der Arbeit noch mal in den Garten setzen, die Füße hochlegen und bei ruhiger Musik ein Glas kühlen Wein trinken und wenn es etwas zu frisch wird oder die Mücken kommen, ein Feuer anmachen. Leider machte uns das Wetter aber immer öfter einen Strich durch die Rechnung. Zu kalt, zu nass.

Was bleibt ist die Sehnsucht nach Sommer

Je schlechter die Sommer in Deutschland werden, desto öfter sprechen Gunnar und ich darüber, wie es wäre unseren Lebensmittelpunkt nicht vielleicht in wärmere Gefilde zu verlegen, zumindest einen großen Teil des Jahres. Wer viel reist, besonders in warme Länder kommt wohl zwangsläufig auf solche Ideen.

Und dann kommen sie auch ganz schnell wieder die Wenn und Abers, die einem so verdammt zögerlich und mutlos bleiben lassen. Was bleibt ist die Sehnsucht nach Sommer.

Aber ist es nur das Wetter, dass uns in die Ferne treibt? Klingt fast so… Aber wahrscheinlich ist es mehr. Vielleicht der Gedanke, dass das noch nicht alles gewesen sein kann. Bis zur Rente jeden Morgen ins Büro, ab 67 noch ein wenig stressfreies Leben und dann byebye Erde. Nein, eigentlich stellen wir uns das anders vor. Wie, wissen wir aber auch noch nicht wirklich. Was aber, wenn wir immer nur von etwas träumen, uns etwas gut vorstellen können, es aber immer nur ein Traum bleibt, weil wir immer nur die Bedenken vor uns her schieben?

Australien 2010
Australien 2010

Lebe deinen Traum

Ok, das ist jetzt eine sehr abgedroschene Phrase und die Umsetzung können sich nur die Wenigsten leisten. Wer so etwas unüberlegt macht, der landet schnell in einem Alptraum. Diese Phrase hat in unserem Leben also erstmal nix verloren, es sei denn wir sind bald reich und berühmt. Wir sagen rechtzeitig Bescheid.

Was steht den meisten Menschen im Wege, die glauben woanders glücklicher zu sein? Ich denke das hier:

  1. Meine Familie und meine Freunde sind sind dann so weit weg
  2. Ich kenne da Niemanden
  3. Ich habe dort keinen Job

Fällt euch noch was ein? Her mit euren Zweifeln.

Was die Punkte 1 und 2 angeht, braucht die Angst nicht so groß sein. Flüge kosten heute nicht mehr die Welt, so dass man sich durchaus mal öfter gegenseitig besuchen könnte. Außerdem gibt es Skype, Mail, WhatsApp, so dass ein Kontakt nicht zwangsläufig abbrechen muss. Und deine Familie und Freunde freuen sich sicherlich tierisch, wenn sie wissen, dass sie im Ausland immer einen Anlaufpunkt haben (kostenlose Übernachtung mit Frühstück !!!) und wer nicht gerade auf den Mund gefallen ist, die Landessprache einigermaßen beherrscht, wird schnell andere Menschen kennenlernen.

Knackpunkt Job

Der größte Knackpunkt ist in meinen Augen und bei den meisten von euch sicherlich auch tatsächlich der Job. Wer in einem Angestellten-Verhältnis arbeitet wie wir, der wird ziemlich viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, künftig nur noch HomeOffice machen zu wollen und für Meetings und die Weihnachtsfeier eingeflogen werden zu müssen. Wer hierfür keine Lösung hat, oder wie oben schon erwähnt nicht reich und berühmt ist (oder einfach nur reich) den raten wir von der Idee des Auswanderns ab. Und man sollte auch nicht darauf hoffen, dass das von dir bevorzugte Reiseland genau auf dich gewartet hat und es auch gleich deinen Wunschjob gibt. Von einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung ganz zu schweigen.

Also doch seinen Traum aufgeben?

Nein, mitnichten, sondern daran arbeiten, dass du ihn verwirklichen kannst. Steine aus dem Weg räumen und den Weg zum Ziel genau planen. Das geht nicht von heut auf morgen und kostet viele Arbeit und Geduld. Manchmal bedarf es auch etwas Glück oder eines Zufalls, dass plötzlich Tore aufgehen und sich dein Leben von heute auf morgen ändert. Und wenn es letztendlich dann nur ein Traum bleibt, dann hast du es wenigstens alles dafür getan.

Was ist mit dir?

Bist du bereits ausgewandert und kannst uns von deinen Erfahrungen berichten? Oder denkst du ähnlich wie wir? Schreib uns gerne einen Kommentar.

Ein Kommentar bei “Sehnsucht nach Sommer”

  1. Hallo Holger,

    schöne, offene Worte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass fast jeder, der häufig reist, irgendwann an den Punkt kommt zu überlegen „Was wäre wenn“. Auch wir träumen manchmal so vor uns hin. Allerdings würde es uns eher gen Norden ziehen 😉 Aber die Frage ist, wäre man nach dem Auswandern glücklicher?

    Bei mir stehen auch ganz eindeutig die Familie und Freunde an erster Stelle, um den Traum nicht umzusetzen. Aber auch meinen Beruf gibt es im Ausland nicht und Home Office ist leider kein Thema. Was also dann machen? Es würde sich sicher etwas finden, ich bin flexibel. Aber irgendwie bin ich der festen Überzeugung, dass das auch nicht glücklicher macht, als wir jetzt schon sind. Man muss einfach das beste draus machen oder tatsächlich sagen, lebe deinen Traum. Aber ganz egal wie sich entschieden wird, am wertvollsten ist doch die Zeit miteinander.

    Liebe Grüße in den Norden,
    Tanja

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