Unsere letzten Tage auf den Keys

Die Überschrift lässt es schon vermuten, dass dieser Urlaub nicht ganz so endete wie erhofft, weshalb ich die letzten fünf Tage auch in einem Beitrag zusammenfasse.

24.05.2012 – Pooltag

Heute legten wir mal einen Pooltag ein, denn warum auch nicht mal die Annehmlichkeiten der Hotelanlage nutzen, wenn wir sie schon bezahlt haben. Im Urlaub faul am Pool oder Strand liegen ist ja gar nicht so unser Ding, aber da wir auf den Keys nichts mehr sehen wollten und es am nächsten Tag nach Miami gehen sollte, gönnten wir uns die Entspannung einfach mal. Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnten: Dies sollte dann auch die letzten entspannten Stunden des Urlaubs sein, denn anders als geplant ging es nicht nach Miami…

Pooltag
Pooltag

Kurz nach dem Abendessen, wir gingen noch ein wenig außerhalb des Resorts spazieren, spürte ich einen leichten, stechenden Schmerz im Zwerchfell. Mir kam dieser Schmerz nur allzu bekannt vor, aber das verdrängte ich erst erst ein Mal. Das typische an diesem Schmerz ist, dass man machen kann was man will, er hört nicht auf, sondern wird langsam immer schlimmer.

25.05.2011 – Unschöne Diagnose

Ich versuchte zu schlafen, aber das ging nicht und gegen 5:00 Uhr morgens beschlossen wir, im Hotel nach einem Arzt zu fragen. Einen Arzt gab es dort nicht, aber man empfahl Gunnar mich ins nahegelegene Hospital auf der Insel Marathon zu fahren. Also hieß es in aller Eile Taschen packen, auschecken und so schnell es ging ins Krankenhaus.

Für fünf Tage unser Hotel
Für fünf Tage unser Hotel

Nach den üblichen Formalitäten bei der Notaufnahme, kümmerte sich dann auch relativ schnell ein Arzt um mich. Gunnar klärte derweil mit der Krankenversicherung die Kostenübernahme. Dem Arzt musste ich erst Mal ziemlich viel erzählen, von früheren Erkrankungen und OPs, halt all das, was man auch in Deutschland gefragt wird, diesmal aber eben auf englisch. Zwar sprechen wir beide englisch und können uns in einem normalen Urlaub gut verständlich machen, aber medizinische Vokabeln benutzt man da eher seltener. So waren wir ganz glücklich, dass wir Besitzer eines iPhones mit einer Übersetzungs-App sind, denn nichts wäre fataler, wenn man dem Arzt in einer solchen Situation was Falsches erzählt.

Die Diagnose war eindeutig: Darmverschluss! Und das was man jetzt machen konnte, war mir schon bewusst, denn ich hatte so was schon zwei Mal durchgemacht. Entweder ging es gleich unters Messer, oder man versucht den Verschluss dadurch zu öffnen, in dem man die Darmtätigkeit runterfährt, damit er sich beruhigt und die Schwellung nachlässt. Letzteres ist zwar sehr unangenehm, wir hielten es aber für besser das erst Mal so zu probieren, als sich hier in einem fremden Land operieren zu lassen und dann womöglich die nächsten 2 Wochen flugunfähig zu sein. Also taten die Ärzte was sie tun mussten und wir konnten nur hoffen, dass es nicht doch noch zur OP kommen würde. Gegen die Schmerzen gab es Morphium.

Bändchen-Urlaub
Bändchen-Urlaub

Das Krankenhaus war ziemlich leer und mit mir gab es nur noch 3 oder 4 andere Patienten. Man konnte sich also sehr gut um mich kümmern. Mir war aber am allerwichtigsten das Gunnar bei mir war und dass er nicht irgendwo in ein Hotel ziehen musste. Obwohl das unsere Reisekrankenversicherung nicht vorsah, konnte er bei mir im Zimmer mit übernachten, allerdings in einem Schlafsessel was wirklich nicht bequem war. Zudem konnte man ohne Klimaanlage nicht schlafen, mit aber auch nicht, weil viel zu laut war.

26.05.2011 – Flüge umbuchen

Der Rückflug war für den 27.05. geplant, so schnell würde ich aber nicht flugfähig sein. Wie lange es dauern würde, konnte der Arzt uns jetzt noch nicht sagen, er vermutete aber erst Mal am 28.05. Da Gunnar die Aussage aber zu wage war lies er den Rückflug auf den 29.05. umbuchen.

27.05.2011 – Es wird langsam besser

Da wir unseren Mietwagen nur bis heute gemietet hatten und den Vertrag für einen so großen und teuren Wagen, der nur auf dem Parkplatz vorm Krankenhaus steht, nicht verlängern wollten, brachte Gunnar den Wagen am Vormittag zurück und besorgte einen Kleineren. Dazu musste er extra ins ca. 120 Meilen entfernte Miami fahren.

Unser Ersatzwagen
Unser Ersatzwagen

Ich wurde jeden Morgen geröntgt. Heute mit Kontrastmittel, um zu sehen ob es durch ging. Das tat es, allerdings noch nicht so gut, also hieß es noch ein wenig Geduld haben und so oft wie möglich aufstehen und herumlaufen.

28.05.2011 – Gute Nachrichten

Es wurde besser und die Hoffnungen stiegen, das wir morgen nach Hause können. Wir waren beide richtig kaputt, da wir kaum zum schlafen kommen, denn wenn ich um 04:00 Uhr morgens aus dem Halbschlaf geweckt wurde, wachte Gunnar natürlich auch auf und so richtig gut konnte er auch nicht schlafen. Das heutige Röntgen bestätigte unsere Hoffnungen und ich durfte die erste flüssige Nahrung zu mir nehmen.

29.05.2011 – Abreisetag

Ich bekam meine Entlassungspapiere und gegen 10:30 Uhr konnten wir endlich Richtung Miami Airport fahren. Bis zum Check In klappte auch alles bestens. Hier wurde unser Rückflug aber abrupt gestoppt. Bei einer Umbuchung muss man natürlich einen Grund angeben und der war bei mir ein medizinischer. Nun wollte British Airways aber verständlicherweise sicher gehen, dass ich auch wirklich flugfähig bin und das es während des langen Fluges nach London keine Komplikationen gibt. Dazu ist ein Attest des Arztes notwendig, in dem steht, dass ich wieder flugfähig bin und mit genau diesem Flug fliegen darf. Ich hatte allerdings nur die Entlassungspapiere und den Arztbrief mit der Diagnose. Die Entscheidung, ob wir fliegen durften oder nicht, musste nun der medizinische Dienst der Fluggesellschaft anhand meiner Krankenunterlagen entscheiden.
Nach langen 30 Minuten bekamen wir endlich das Go und als kleine Entschädigung noch ein Upgrade auf die Premium Economy. Das war natürlich ganz angenehm, allerdings durfte ich während des ganzen Fluges auf ärztliches Anraten nichts essen, sondern nur trinken. Aber Hauptsache nach Hause.

Das ist nun das Ende unseres Reiseberichtes über einen Urlaub, auf den wir uns lange gefreut hatten. Das Ende war so nicht geplant und hat uns um eines der Highlights, Miami Beach gebracht. Es hat aber auch mal wieder gezeigt, dass ich mich auf Gunnar 100%ig verlassen kann. Ich bin unendlich dankbar und sehr Stolz auf ihn, dass er alles so perfekt geregelt hat, als ich außer Gefecht gesetzt war.

Danke Gunnar
Danke Gunnar

Nun aber noch ein Fazit zum Urlaub vor dem Krankenhaus:
Die großen Highlights waren eindeutig New York City und Washington, der Rest war auch schön aber für uns nicht so sehenswert, das wir dort wieder hin müssten. Das liegt aber auch an der Ostküste an sich. Landschaftlich ist sie nicht so reizvoll wie die Westküste, die wir beide schon mehrfach bereist haben. Diese großartigen Landschaften fehlten uns einfach. Wo wir sicherlich noch einmal hinreisen werden ist New York.

Auf die Florida Keys hatten wir uns neben New York auch sehr gefreut, denn man hat ja schon viel davon gesehen und gehört. Leider haben die uns aber etwas enttäuscht, was nichts mit dem Krankenhaus zu tun hatte. Auf den Inseln kommt man selten direkt ans Wasser heran, da dort meisten Privatgrundstücke liegen und Key West ist viel zu touristisch. Die meisten anderen Inseln sind nichts anderes als kleine amerikanische Städte mit Wasser drumrum.

Auch die Art wie wir gereist sind war nicht so nach unserem Geschmack. Wir haben das erste Mal eine solche Tour anstatt mit einem Wohnmobil mit einem PKW gemacht und immer in Hotels geschlafen. Der Grund dafür das wir einen PKW gewählt haben ist der, das diese Strecke nicht so gut für Wohnmobile geeignet ist, da es an der Ostküste nicht so viele Campingplätze gibt, wie an der Westküste. Eine Wohnmobilreise hingegen ist für uns angenehmer, da man nicht jeden Tag aus dem Koffer leben muss und auch nicht darauf angewiesen ist immer in einem Restaurant zu essen. Man hat sein Zuhause einfach immer dabei.

Trotz allem war es eine schöne Reise, auf der wir viel gesehen und viel erlebt haben, von dem wir erzählen können und an das wir sicherlich noch lange zurückdenken.

4 Komentare zu “Fünf Tage Krankenhaus auf den Florida Keys”

  1. Hallo Holger und Gunnar,
    ich habe mir erlaubt auf diesen tollen Beitrag von euch zu verlinken, weil ich gerade eine Blogparade zum Thema „Krank auf Reisen“ am Laufen habe und dieser Artikel von euch mich irgendwie ein bisschen dazu inspiriert hat. Ich finde es super, dass ihr in eurem Blog von dem Krankenhausaufenthalt in Florida erzählt und es ist total interessant zu lesen, wie ihr diese außergewöhnliche Situation auf Reisen gemeistert habt.
    In meinem Beitrag zur Blogparade erzähle ich, wie ich in Korea krank geworden bin. Das war aber natürlich überhaupt nicht mit dem vergleichbar, was ihr in Florida erlebt habt.
    Hier übrigens der Link zur Blogparade: http://blog.workntravel.info/blogparade-krank-auf-reisen/
    Liebe Grüße
    Jo

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